Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

E-Commerce & Versandhandel - Erfahrungen mit Kunden, Lieferanten, Agenturen, Dienstleistern...
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Wellenreiter
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Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Wellenreiter » 16. Jun 2019 09:21

Hallo zusammen

Im Einkauf liegt bekanntlich der Gewinn. Wie führt man im Onlinehandel Verhandlungen über Konditionen?
Insbesondere wenn es um Markenartikel geht, bei der man naturgemäß keine Alternativen für den Warenbezug hat?

Wäre schön, ein paar Tips zu erhalten

Beste Grüße
Wellenreiter



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Wolkenspiel
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Wolkenspiel » 16. Jun 2019 09:47

Kommt immer auf Deine Umsätze an. Wenn Du bewiesen hast, dass sich bei dir was dreht, bist du ein einer besseren Position als jemand, der einmal im Jahr 100 Stück von was auch immer bezieht.
Am Anfang hast Du halt kaum Chancen, bessere Konditionen zu erhalten - mit welcher Argumentation würdest Du das tun wollen, wenn Du nicht Bayer oder Nestle oder sonstwie heißt?

eluno
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von eluno » 16. Jun 2019 09:51

Die besten Preise bekommt man in der Regel, wenn man Mengen abnimmt. Somit würde ich sagen: Ich kaufe 500 Stück zu Preis X - wobei dieser natürlich auch nicht unrealistisch sein und darstellbar sein muss. Ansonsten bekommt man Markenartikel oftmals günstiger über die Distribution oder über den Graumarkt (vielleicht mal über die Ländergrenzen hinaus schauen?).

Eine Pauschalaussage gibt es nicht.

Aber bestes Beispiel: Ich habe meinen Preise für mein Zubehör welches ich verkaufe um ca. 20% reduziert, nur, indem ich mir einen ca. Halbjahresbestand ans Lager lege.

Im Endeffekt: Bessere Preise bekommt man aus meiner Erfahrung mit einer langfristigen Partnerschaft bei der man auch ernstgenommen wird. Bist Du eine Pommesbude und kannst nur so einkaufen wie eine Pommesbude, wirst Du auch nur Preise für Pommesbuden bekommen. Ich bin z.B. auch nur eine Pommesbude kaufe aber wie eine Kantine ein (durch Halbjahresbestände, einfach mal bunkern).

Wellenreiter
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Wellenreiter » 16. Jun 2019 09:59

Danke für eure Antworten. Mittlere 5 stellige Umsätze fahren wir mit mehreren Herstellern, jedoch ohne Konditionen verhandelt zu haben. Das ist auch nicht mein Steckenpferd. Einen Einkäufer hingegen können wir nicht auslasten. Führt ihr Verhandlungen telefonisch? Schriftlich? Oder besucht ihr Zulieferer zu diesem Zweck?

Ach
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Ach » 16. Jun 2019 10:16

- Abnahmemenge bei einzeln verhandelten Bestellungen
- Zielvereinbarungen über das Jahr (Stückzahlen, Summen), Bonus bei Zielerreichung. ggf. staffeln.
- Wenn der Lieferant schon Staffeln anbietet: Verlangen, dass Du den Bonus der nächsthöheren Staffel garantiert zugesagt bekommst.
- Echte Werbekostenzuschüsse (d.h. du führst gegen Geld Werbemaßnahmen durch)
- Wenn Du schon hohe Mengen/Staffeln erreichst: Mit Reduzierung der Einkaufsmengen drohen. Wenn dann nichts kommt, eine längere Zeit nichts mehr bestellen. Die Zeit muss tatsächlich so bemessen sein, dass dein üblicher Bestellrhythmus mehrere Male aussetzt.
- Sonderkonditionen für Sonderanlässe (z.B. Jubiläum) verlangen. Davon hat der Lieferant zwar nichts, trotzdem ist er dann eher bereit, etwas nachzulassen. Auch, weil er weiß, dass du diesen Nachlass nicht immer wieder fordern wirst.
- Was bei uns teilweise auch klappt: Y% Nachlass auf alle Bestellungen im Zeitraum X, um eine bestimmte Verkaufsaktion durchführen zu können.
- Nicht einen bestimmten Artikel anfragen, sondern eine abstrakte Artikelbeschreibung/Produktkategorie geben und dafür ein Sonderangebot anfordern (z.B. nicht: "Ich brauche 5x Fahrrad Type XY" sondern: "Ich brauche 5 Mountainbikes mit Ausstattungsmerkmal YZ". Damit gibst Du Deinem Außendienstler die Möglichkeit, selber zu prüfen, bei welchem Artikel er einen größeren Nachlass geben kann. In vielen Branchen haben die Außendienstler bestimmte Aktionsprodukte für sowas in der Hinterhand oder vermarkten dann Restbestände günstig ab.
- Lieferanten mit Mitbewerberpreisen (den Preisen SEINER Mitbewerber und den Preisen DEINER Mitbewerber bei seinen Artikeln) konfrontieren.
- Manchmal musst Du auch einfach nur darauf drängen, besser eingestuft zu werden. Und plötzlich wirst Du besser eingestuft und verstehst, dass Du bisher nur ausgenommen wurdest, weil du nicht genug Druck gemacht hast.

Kommt stark auf die Branche an. In manchen Branchen sind Vereinbarungen gängig, die in anderen unbekannt und nicht akzeptiert sind.

Ach
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Ach » 16. Jun 2019 10:20

Wellenreiter hat geschrieben:
16. Jun 2019 09:59
Danke für eure Antworten. Mittlere 5 stellige Umsätze fahren wir mit mehreren Herstellern, jedoch ohne Konditionen verhandelt zu haben. Das ist auch nicht mein Steckenpferd. Einen Einkäufer hingegen können wir nicht auslasten. Führt ihr Verhandlungen telefonisch? Schriftlich? Oder besucht ihr Zulieferer zu diesem Zweck?
Der Zulieferer besucht uns.
Vor allem bei Verhandlungen für Einzelbestellungen machen wir das aber auch per Mail/Telefon.

Das verhandeln muss nicht Dein Steckenpferd sein, aber es lohnt sich ungemein. Du kannst es in einem gewissen Umfang lernen und die Erfolge sind sehr motivierend, weil du sie sofort spürst.

fca
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von fca » 16. Jun 2019 22:56

Bei manchen Händlern komme ich zwar beim Stückpreis nicht weiter, bekomme jedoch gerne mal andere "Goodies" rausgehandelt, wie zum Beispiel versandfertige Verpackung, Labeling oder so etwas. Am Ende ist das auch bares Geld wert.

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von regalboy » 17. Jun 2019 09:41

Bei uns haben für den Teil der Waren, den wir selbst importieren, alle Wiederverkäufer die gleichen (guten) Einkaufspreise.

Insbesondere bei Markenartikeln sehe ich keinen Grund, warum der Importeur seine eigene Marge (stark) schmälern sollte, nur weil jemand mehr ein- und verkauft und auch entsprechend selbst mehr Gewinn dadurch hat.

Dazu noch die Spezialisten, die den Verkaufspreis 1:1 an den Einkaufspreis anpassen....

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Investor » 17. Jun 2019 13:21

Kommt ja auf die Situation und wie schon gesagt die eigenen Möglichkeiten an. Sicherlich kann man mal nachfragen wenn man ordentliche Mengen kaufen will, die meisten haben ja wahrscheinlich ohnehin eine Rabattstaffel.

Ich habe hier nen Hersteller, der verfährt recht einfach: Es kostet was es kostet - und zwar immer etwas mehr als bei der letzten Bestellung, Skonto gibt es schon gleich gar nicht und umso mehr man bestellt umso höher sind die Frachtkosten. :durchdreh: Lohnt sich trotzdem.

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Tony » 17. Jun 2019 15:13

Investor hat geschrieben:
17. Jun 2019 13:21
Ich habe hier nen Hersteller, der verfährt recht einfach: Es kostet was es kostet - und zwar immer etwas mehr als bei der letzten Bestellung, Skonto gibt es schon gleich gar nicht und umso mehr man bestellt umso höher sind die Frachtkosten. :durchdreh: Lohnt sich trotzdem.
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Nico-2012 » 17. Jun 2019 15:21

Tony hat geschrieben:
17. Jun 2019 15:13
Investor hat geschrieben:
17. Jun 2019 13:21
Ich habe hier nen Hersteller, der verfährt recht einfach: Es kostet was es kostet - und zwar immer etwas mehr als bei der letzten Bestellung, Skonto gibt es schon gleich gar nicht und umso mehr man bestellt umso höher sind die Frachtkosten. :durchdreh: Lohnt sich trotzdem.
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Bestellst Du etwa bei catcat? :-y

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Investor » 17. Jun 2019 15:30

Nico-2012 hat geschrieben:
17. Jun 2019 15:21
Tony hat geschrieben:
17. Jun 2019 15:13
Investor hat geschrieben:
17. Jun 2019 13:21
Ich habe hier nen Hersteller, der verfährt recht einfach: Es kostet was es kostet - und zwar immer etwas mehr als bei der letzten Bestellung, Skonto gibt es schon gleich gar nicht und umso mehr man bestellt umso höher sind die Frachtkosten. :durchdreh: Lohnt sich trotzdem.
Geiler Typ applaus
Bestellst Du etwa bei catcat? :-y
Nee bei Tony :xmas: :popcorn:

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von marcibet » 17. Jun 2019 16:58

"Es gibt keine Sonderkonditionen" - völlig egal welcher Großhändler dir das Erzählt, es ist immer gelogen. Ändern kannst du an diesem Umstand nur ein bisschen durch Verhandlungsgeschickt, und deutlich durch Umsatz. Als wir begonnen haben (vor ~15 Jahren) haben wir eine sehr bekannte Handelsmarke zugekauft. Diese Produkte gabs/gibts bei jedem Fach-Händler meiner Branche, ganz egal ob stationär oder online. "Sonderkonditionen gibts keine - für niemanden" hies es. Ich habs geglaubt, und die Produkte dann (dem Mitbewerb angepasst) mit sehr mieser Marge (~15-20% Aufschlag) verkauft. Bei Messen mit anderen Fachhändlern ausgetauscht, alle haben gejammert wegen der schlechten Marge. Aber Auslisten ist nicht möglich, die Marke ist zu bekannt, und die Kunden bestellen dann oft auch noch was anderes dazu das dann margenträchtiger ist.

Zu beginn hatten wir mit dieser Marke Jahresumsätze von ~10.000 EUR, also nicht erwähnenswert.

Mit den Jahren stieg der Umsatz, und auch unsere Erfahrungen mit diversen Sonderkonditionen. Wir erreichten nach zwei Jahren schließlich zumindest 5% Skonto, das war ein "meilenstein" für uns. Naja...... mittlerweile ist unser Umsatz mit dieser Marke im hohen 6-stelligen Bereich, und unser Rabatt liegt bei 30%, der Skonto nach wie vor bei 5%. Der Aufschlag also mittlerweile bei >75% statt bei 15-20%. Wohlgemerkt noch immer der selbe Geschäftsführer bei der Marke, und unser Mitbewerb ist immer noch am Jammern ob der miesen Marge. Denn dort wird immer noch die Auskunft erteilt "Bei uns kriegt NIEMAND Sonderkondionen, nicht mal die größten Abnehmer"...

Und genauso verhält es sich auch bei anderen Marken. Glaub diesen Blödsinn nicht, und schau dass du den Umsatz steigerst, dann kommt der Rest von alleine.

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Ach » 17. Jun 2019 17:38

marcibet hat geschrieben:
17. Jun 2019 16:58
"Es gibt keine Sonderkonditionen" - völlig egal welcher Großhändler dir das Erzählt, es ist immer gelogen.
Genauso: "Ihr habt bereits die höchsten Sonderkonditionen."


Wellenreiter hat geschrieben:
16. Jun 2019 09:59
Mittlere 5 stellige Umsätze fahren wir mit mehreren Herstellern, jedoch ohne Konditionen verhandelt zu haben. Das ist auch nicht mein Steckenpferd. Einen Einkäufer hingegen können wir nicht auslasten.
Vielleicht kommst Du auch weiter, wenn Du mit einem anderen Händler zusammen einkaufst oder er kauft ein und leitet die Ware günstig an Dich weiter.
Wir haben auch phasenweise und postenweise Online-Händler beliefert, die davon profitiert haben, das wir günstiger einkaufen konnten.
Oft hatten wir die günstigen Preise einfach daher, dass wir abgeschottete Einkaufskanäle haben, auf die andere Händler nicht zugreifen können oder dadurch, dass wir als stationärer Fachhändler bessere Konditionen bekommen.

Wellenreiter
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Wellenreiter » 10. Okt 2019 00:43

- Manchmal musst Du auch einfach nur darauf drängen, besser eingestuft zu werden. Und plötzlich wirst Du besser eingestuft und verstehst, dass Du bisher nur ausgenommen wurdest, weil du nicht genug Druck gemacht hast.

Jetzt muss ich nochmal dumm nachfragen, was konkret ist gemeint mit besser eingestuft zu werden?
Und wie kann ich Druck ausüben, wenn ich die Zusammenarbeit nicht gefährden will? Ich denk da immer, dass Druck nur sehr begrenzt ausgeübt werden kann, weil kaufe ich nicht mehr, hat ein anderer vermutlich meinen Umsatz gemacht, die Marke wird schließlich nachgefragt
Wahrscheinlich mach ich mir da zu viel Gedanken...

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von regalboy » 10. Okt 2019 08:38

Wellenreiter hat geschrieben:
10. Okt 2019 00:43
...
Jetzt muss ich nochmal dumm nachfragen, was konkret ist gemeint mit besser eingestuft zu werden?
In eine bessere Rabattstufe....
Wellenreiter hat geschrieben:
10. Okt 2019 00:43
Und wie kann ich Druck ausüben, wenn ich die Zusammenarbeit nicht gefährden will? Ich denk da immer, dass Druck nur sehr begrenzt ausgeübt werden kann, weil kaufe ich nicht mehr, hat ein anderer vermutlich meinen Umsatz gemacht, die Marke wird schließlich nachgefragt
Wahrscheinlich mach ich mir da zu viel Gedanken...
Wenn es ein sehr stark gefragter Markenartikel ist kann der Hersteller / Importeur halt auf einen einzelnen Händler gut verzichten.....

Ach
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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Ach » 10. Okt 2019 08:39

Wellenreiter hat geschrieben:
10. Okt 2019 00:43
Jetzt muss ich nochmal dumm nachfragen, was konkret ist gemeint mit besser eingestuft zu werden?
Ein Teil der Konditionen wurde Dir vielleicht mitgeteilt: "1% Rabatt erhalten Sie, wenn Sie jährlich an einer Produktschulung teilnehmen" "x% Bonus erhalten Sie am Jahresende, wenn der Jahresumsatz Y€ betrug."


Dein Lieferant hat darüber hinaus aber auch -eventuell - verschiedene Konditionsstufen, die er nicht mitteilt, in die er die Kunden "willkürlich" einteilt. bspw.:
Stufe 1: Keine Vergünstigungen
Stufe 2: 3% Skonto
Stufe 3: 3% Skonto + 3% Rechnungsrabatt
Stufe 4: 3% Skonto + 5% Rechnungsrabatt

oder aber der Lieferant gibt seinen Kunden flexible Konditionen.

Wenn Du darauf spekulierst, dass der Lieferant solche Dir unbekannten Konditionen hat, verlangst Du einfach mit Nachdruck, dass für Dich bessere Konditionen eingestellt werden sollen. z.B. weil Du Jubiläum hast, weil Du Deine Kunden besonders gut berätst, weil Du Deinen Umsatz um x% gesteigert hast... Und mit Glück sagt Dein Lieferant dann: "Wir haben Sie jetzt in unserer höchsten Rabattstaffel (lol) eingestuft, Sie erhalten ab sofort zusätzlich zu 3% Skonto auch 3% Rechnungsrabatt."

Auf eine gewisse Flexibilität in den Konditionen deutet hin, wenn
- Mitbewerber bessere Konditionen haben
- Der Lieferant bei Deiner Erstbestellung Sonderpreise angeboten hat
- Der Lieferant Deine Konditionen irgendwann mal geändert hat
- In der Branche variable Konditionen üblich sind.

Und wie kann ich Druck ausüben, wenn ich die Zusammenarbeit nicht gefährden will?
Die Angst, die Zusammenarbeit zu gefährden, kenne ich leider von einigen Mitarbeitern, die auch einkaufen dürfen...

Das Gegenteil ist der Fall. Du bist dann zwar nicht mehr der beste Freund des Lieferanten (wenn Du sein bester Freund bist, ist das ein Warnsignal), aber Du wirst nach dem ersten Erfolg ernst genommen.

Es mag sein, dass Dein Verhandlungspartner Dinge sagt wie "wir verdienen an Ihnen ja jetzt schon nichts" "bei den Preisen, die Sie verlangen, müssten wir Verluste machen" "Ich habe fünf hungrige Kinder zu Hause, und jetzt kommen Sie..."
Ist aber bei Markenherstellern und großen Großhändlern alles Teil des Spiels. (Dieses Spiel wird bitte, bitte, nicht mit dem Handwerker von nebenan gespielt, bei dem ist das möglicherweise ernst)


Es ist mir bisher nur ein einziges Mal passiert, dass ich durch Verhandlung eine Lieferantenbeziehung verschlechtert habe. In dem Fall hat der Außendienstler eines großen Herstellers zu hoch gepokert und Konditionen, die mir durch Kooperationsmitgliedschaft "zustanden" verweigert. Nachdem ich unsere Kooperationszentrale dann auf deren Key-Accounter angesetzt habe, fiel das meinem Außendienstler auf die Füße. Das Vorgehen hat er mir übel genommen - aber meine Konditionen hat es verbessert.
Ich denk da immer, dass Druck nur sehr begrenzt ausgeübt werden kann, weil kaufe ich nicht mehr, hat ein anderer vermutlich meinen Umsatz gemacht, die Marke wird schließlich nachgefragt
Du hast als Händler einen wesentlichen Einfluss auf die Kaufentscheidungen Deines Kunden. Durch Artikelbeschreibungen, durch Beratung (sofern durchgeführt) durch Platzierung, durch Werbung... Wenn Du ab morgen statt Marke A Marke B führst oder zumindest bevorzugt bewirbst, platzierst etc., dann bricht für Marke A Umsatz weg.

Wahrscheinlich mach ich mir da zu viel Gedanken...
Gedanken sind ja nicht verkehrt. Hast Du denn mittlerweile mal was raushandeln können oder einen Versuch dahingehend unternommen?


Welche Branche bedienst Du denn? Vielleicht kann ich Dir konkreter weiterhelfen, ich kenne mittlerweile eine Hand voll Branchen "von innen".
Hast Du Kontakt zu anderen Händlern Deiner Branche, mit denen Du im Vertrauen und mündlich über Preise sprechen kannst?

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Wellenreiter » 12. Okt 2019 08:40

[
Wahrscheinlich mach ich mir da zu viel Gedanken...
Gedanken sind ja nicht verkehrt. Hast Du denn mittlerweile mal was raushandeln können oder einen Versuch dahingehend unternommen?

Erstmal vielen lieben Dank für die Mühe, die Du Dir mit Deinen Ausführungen gemacht hast. Das ist sehr hilfreich für mich. Und ja, vor ein paar Tagen gab es einen Besuch von der Geschäftsleitung eines Herstellers, mit dem wir 6stellige Umsätze machen und da habe ich nun mit Nachdruck einen Rechnungsrabatt eingefordert. Man wollte sich lediglich an Werbekosten für eigene Produkte beteiligen ohne dies zu konkretisieren. Warte allerdings noch auf Feedback.


Welche Branche bedienst Du denn? Vielleicht kann ich Dir konkreter weiterhelfen, ich kenne mittlerweile eine Hand voll Branchen "von innen".

Heimtextilien und andere. Mehr gerne per mail

Hast Du Kontakt zu anderen Händlern Deiner Branche, mit denen Du im Vertrauen und mündlich über Preise sprechen kannst?
[/quote]

Leider nicht :(

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Ach » 12. Okt 2019 09:28

MEINE Einschätzung, und ich würde mich freuen, wenn andere Forenmitglieder einmal sagen könnten, ob sie diese mit mir teilen:

- Bei einem Heimtex-Hersteller solltest Du mit einem Umsatz über 100.000 schon eine echte Hausnummer sein
- Darauf deutet auch hin, dass die Geschäftsleitung den Kontakt persönlich übernimmt
- und die Geschäftsleitung auch noch zu Dir (!) zu Besuch kommt

ich würde behaupten, dass Du hier eine ganz hervorragende Verhandlungsposition hast und bisher vermutlich für den Hersteller eine Goldgrube warst und noch bist.

Wenn ich Deinen Umsatz bei meinem Heimtex-Lieferanten hätte und die Geschäftsleitung käme zu mir, dann würde ich jetzt gar nichts machen und Montag Abend als Vorschlag per Mail einen Vorschlag unterbreiten

"Sehr geehrter Herr...

vielen Dank für Ihren Besuch in unserem Betrieb. Für den von Ihnen genannten Werbekostenzuschuss schlage ich vor, dass wir diesen wie folgt an meine Vertriebsleistung koppeln:
Ab 2020
- ab einem Jahresumsatz von mindestens 100.000: 5%
- ab einem Jahresumsatz von mindestens 150.000: 10%
jeweils auf die fakturierten Jahresumsätze pauschal als nachträglichen WKZ zum Anfang des Folgejahres

Für 2019:
- 10% auf die Umsätze Nov+Dez pauschal als nachträglichen WKZ, fällig Anfang 2020.

Ich hoffe auf eine zügige Antwort, da ich aktuell die Warenplanung für das Frühjahrsgeschäft vorbereite und bei den Entscheidungen über die Mengen den WKZ berücksichtigen möchte.

Mit freundlichen Grüßen,
Wellenreiter"

Bis zu einer Antwort, die Deinen Vorstellungen ausreichend entgegenkommt, keine Bestellungen mehr auslösen. GGf. Hersteller im WWS sperren.



(Staffelgrößen so auswählen, dass Staffel 2 ungefähr deiner aktuellen Umsatzgröße entspricht)

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Re: Einkaufskonditionen verhandeln - Wie geht Ihr vor?

Beitrag von Ach » 12. Okt 2019 09:39

Und zum Gedanken "bei einem gefragten Markenartikler macht sofort jemand anders den Umsatz":

Mach mal mit fünf Personen, die grundsätzlich zu Deiner Zielgruppe gehören, aber nicht beruflich oder Durch Gespräche mit Dir mit diesem Thema vorbelastet sind, eine kleine Umfrage:

"Welche Marke für Heimtextilien, also z.B. (entsprechende Produktkategorien einfügen) kennst Du? Welche kaufst Du?"
Und gucke, welche Antworten kommen.
Meine Prognose:
- Meiste Nennung: IKEA
- Eventuell noch: andere Möbelhäuser/Teppichhändler/Heimtex-Ketten, die in Deiner Region ansässig sind
- übrige Marken nicht öfter als 1x
- Dein Hersteller vielleicht gar nicht...

In der Branche gibt es nach meiner Einschätzung schon gar keine starke Marke mehr. Deshalb wird auch so viel über Eigenmarken der jeweiligen Händler vertrieben, der Handel hat hier längst dem Hersteller die Deutungshoheit abgelaufen. DU entscheidest, welche Marke gekauft wird, und wenn Du dem Hersteller 100.000 € weniger abkaufst, dann kann er sich diesen Umsatz auch nicht wiederholen. Der Hersteller ist für seinen Umsatz auf Dich als Händler angewiesen.

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