Inflation im Onlinehandel

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welpe
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Inflation im Onlinehandel

Beitrag von welpe » 13. Sep 2018 08:48

Jeden Monat liest man das die Preise um 2% gestiegen sind und es real sogar noch höher ist.

Nur scheint es im Onlinehandel fast kaum vorhanden zu sein.

Alles was ich letztes Jahr zum Beispiel bei Ebay gekauft habe ist gleich geblieben oder sogar gesunken.

Meine Konkurrenten haben auch die Preise nicht erhöht.

Wenn die Preise aber wirklich um 2% steigen müsste dann nicht der Onlinehändler seine Preise jedes Jahr auch um 2% steigern? Oder haben wir Jahr für Jahr einen sinkenden Gewinn da die Transportkosten und Löhne der Mitarbeiter ja höher werden.



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koshop
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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von koshop » 13. Sep 2018 08:53

Also bei mir erhöhen die Lieferanten regelmäßig so alle 1-2 Jahre die Preise und auch die UVP und ich erhöhe dann auch die Preise, da ich nur zum UVP verkaufe.
Das hängt wohl aber auch von der Branche ab, wenn es einen Produktzyklus gibt, nachdem dann neue Modelle auf den Markt kommen dann sinken natürlich die Preise für alte Modelle.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von kasselbag » 13. Sep 2018 09:29

In meiner Branche (Kräuter/Gewürze/Tee) steigen die Preise im Einkauf und gleichzeitig sinken die Verkaufspreise der Konkurrenz. Das geht massiv zu Lasten der Qualität.

Da wir auch Heilpflanzen verkaufen will ich an der Qualität eigentlich nicht sparen. Wenn ich aber sehe was für ein Schund bei Amazon zu Niedrigstpreisen verkauft wird vergeht mir total die Lust am Kalkulieren.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von foot » 13. Sep 2018 10:43

kasselbag hat geschrieben:
13. Sep 2018 09:29
In meiner Branche (Kräuter/Gewürze/Tee) steigen die Preise im Einkauf und gleichzeitig sinken die Verkaufspreise der Konkurrenz. Das geht massiv zu Lasten der Qualität.

Da wir auch Heilpflanzen verkaufen will ich an der Qualität eigentlich nicht sparen. Wenn ich aber sehe was für ein Schund bei Amazon zu Niedrigstpreisen verkauft wird vergeht mir total die Lust am Kalkulieren.
Muss ich leider auch so bestätigen.

Das Einzige was inflationär wächst ist die Menge der Verkäufer und der damit verbundene Preisdruck nach unten.
Inzwischen lehnen wir Hersteller, die selber auf Amazon und vorallem Ebay verkaufen rigeros als neue Produktoption ab.

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Rex
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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Rex » 13. Sep 2018 10:49

Aktuell sind wir ein Stück von 2% Inflation entfernt. (https://www.finanz-tools.de/inflation/i ... eutschland)
Durchschnittliche jährliche Inflationsrate in DE seit 2000-2018: ~1,42%
Durchschnittliche jährliche Inflationsrate in DE seit 2010-2018: ~1,31%

Ich vermute, dass die jährliche Effizienzsteigerung im Onlinehandel einfach über den ~1,4% Inflationsrate liegt.
Händler die wie fossi ~2001 anfingen, haben doch ihre Effizienz und Prozesse locker mal um 50-100% optimiert.

Ich denke es ist Online wie im stationären Handel, Große mit breiten Sortiment drücken über die verkaufe Masse bei geringerer Marge und kleineren Preisen, die kleinen spezialisierten Fachhändler mit noch guter Marge nach und nach raus. Oder machen zumindest die Margen kaputt.

Gibt doch genug Händler die mit maximal optimierten Prozessen alles verkaufen wo Sie paar Pfennig Gewinn bei machen.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von cotro » 13. Sep 2018 11:12

Wir haben einen "Mitbewerber", hauptsächlich verkauft dieser auf Amazon, der sämtliche Preise crasht. Unser Vertreter vom Großhändler gab uns letzten Monat die Information, das der Großhändler diesen Verkäufer nicht mehr beliefern wird. So muß ein Großhändler sein.

In einem Gespräch mit dem "Verkäufer", daß alle anderen Kunden sich beschweren über dessen Preispolitik, was natürlich auch dem Großhändler schadet, sagte der "Verkäufer" wohl wörtlich: "Kalkulation = EK + Versand + Steuern + Gebühren +1€ = VK 1 000 000 verkaufte Artikel sind dann auch 1 Million Euro"

Den Ausschluß des "Verkäufers" finde ich vom Großhändler mal richtig gut. Allerdings besorgt der sich seine Ware eben nun bei einem Anderen.

Was ich damit sagen möchte, Großhändler die selber auf Ama oder Ebay verkaufen und damit in direkt Konkurenz zu Ihren Kunden treten, um die Preisschraube noch weiter anzuziehen, sind keine Großhändler. :evil:

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von fossi » 13. Sep 2018 11:19

Artikel wo ich vor 17 Jahren noch 9,99€ für nehmen konnte, sind heute mit 4,99€ schon fast zu teuer, aber der EK ist seitdem mehrfach gestiegen.
Viele Mitbewerber in dem Bereich haben schon aufgegeben, die meisten Artikel sind inzwischen billigster Chinaramsch von teils giftiger Qualität, aber die Kunden wollen halt billig.

Inflation kann ich, zumindest in meinem Segment, nicht bestätigen.
Totaler Preisverfall und zunehmende Importware auf Kosten der Qualität passt da schon eher.
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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von miezekatze » 13. Sep 2018 11:20

Also vor Jahren haben wir (bzw die Vertreter) auf "lustige" Kalkulationen noch die Standardantwort erhalten das man mit günstigen Preisen bekannter werden möchte. Inzwischen (wo auch den Vertretern klar ist das das Bullshit im Internet ist) gibt es da anscheinend gar keine Antwort mehr drauf. Schon lange keine Begründung mehr für Preise jenseits von gut und böse gehört.

Aber von "Internet ist böse" zu "wir nehmen alle Onlinehändler auf die fragen" bewegen sich inzwischen immer mehr Hersteller Richtung "Wir machen mit sehr wenigen ausgewählten Händlern online und wenn jemand neu dazukommt schauen wir uns den ganz genau an vorher" was uns zugute kommt. Sehr viele interessante Gespräche diesbezüglich auf der IFA gehabt dieses Jahr.
Da bekommen grade jede Menge Händler Verträge gekündigt. Inkl. Amazon.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von welpe » 13. Sep 2018 11:31

Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 10:49
Aktuell sind wir ein Stück von 2% Inflation entfernt. (https://www.finanz-tools.de/inflation/i ... eutschland)
Durchschnittliche jährliche Inflationsrate in DE seit 2000-2018: ~1,42%
Durchschnittliche jährliche Inflationsrate in DE seit 2010-2018: ~1,31%

Ich vermute, dass die jährliche Effizienzsteigerung im Onlinehandel einfach über den ~1,4% Inflationsrate liegt.
Händler die wie fossi ~2001 anfingen, haben doch ihre Effizienz und Prozesse locker mal um 50-100% optimiert.

Ich denke es ist Online wie im stationären Handel, Große mit breiten Sortiment drücken über die verkaufe Masse bei geringerer Marge und kleineren Preisen, die kleinen spezialisierten Fachhändler mit noch guter Marge nach und nach raus. Oder machen zumindest die Margen kaputt.

Gibt doch genug Händler die mit maximal optimierten Prozessen alles verkaufen wo Sie paar Pfennig Gewinn bei machen.
Ja weil es da noch keine Wawi gab. Nur was willst du jetzt noch optimieren? An sich kannst du nur noch schneller arbeiten um die Effizienz zu erhöhen.

Nur verdient man zumindest wen man alleine ist zurzeit jedes Jahr inflationstechnisch gesehen pro Stunde weniger.

Also muss man um den gleichen Gewinn zu haben die Preise erhöhen (was ja scheinbar kaum jemand macht) oder genug investieren um Mitarbeiter einstellen zu können. Sehe ich es richtig?

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Rex » 13. Sep 2018 12:19

Als Einzelkämpfer mit bezahlten Lager+Büro hilft tatsächlich nur die Zeit pro Versandstück weiter zu minimieren um die Effizienz zu steigern = Prozesse noch weiter optimieren, wenn Prozesse max. optimiert, geht nur noch schneller arbeiten wie du sagst.

Sonst kommt halt noch der Standortvorteil/-nachteil hinzu. Irgendwo in der brandenburgischen Walachei oder auch hier in Sachsen stehen teilweise riesige ehemalige Zentrallager von Edeka, Rewe usw. für 50-100k zum Verkauf. Wöllte man das gleiche irgendwo im Umfeld Stuttgart neu bauen (gebraucht gibt es da ja kaum Gewerbeflächen) ist man bestimmt locker bei 2Mio+. Also mal richtig groß gedacht.

Etwas kleiner gedacht, also Lager+Büro bezahlt, aber MA, sind es "nur" die Lohnkosten, wo man in einigen Regionen Brandenburg, Meck-Pomm sicher noch Packer zum Mindestlohn bekommt.
Bei uns in Sachsen geht das schon nicht mehr.
Will man es ganz günstig muss man halt ins Ausland gehen. So wie einige Österreicher ihre Pakete in Deutschland einliefern, geht es sicher auch von Polen oder Tschechien aus.

Durch die Familie kenne ich bei 1 Hersteller die absoluten Mindestverkaufspreise. Bei Ebay und Amazon sind die Artikel nach Abzug aller Kosten mit ~0,70€ Deckungsbeitrag drin. UVP Hersteller 9,99, lässt sich aber auch 12,99 noch gut verkaufen. ebay und Ama ist es für ~6€ drin.
Das ist doch absoluter Wahnsinn. Es ist zwar 1 Produkt was sich super simple einfach in 1 Luftpolsterumschlag verschicken lässt.
Aber selbst bei einer angenommen Versandzeit von 1,5 Min und alles andere automatisiert = 40 Stück pro Stunde. Wären das gerade mal 28€ pro Stunde.
Phew...also klar es lohnt sich noch. Aber dafür 1 Stunde total stressige Akkordarbeit...

Wobei lagert man das ganze nach Polen oder Tschechien aus wären 28€ pro Stunde natürlich schon wieder interessant.

Soviel meine Gedanken dazu.
Ich persönlich habe mir die Regel aufgestellt: Ich bin kein MA von Ebay und kein MA der Post. Also will ich bei jedem Produkt mindestens soviel verdienen wie Versandkosten+Ebay Gebühren sind. Produkte bei denen ich das Online nicht schaffe, werden halt nicht gelistet.

Gerade für Einzelkämpfer gilt meiner Meinung nach: Jedes Produkt das man unter 2€ Deckungsbeitrag verkauft, nimmt Ressourcen weg für lukrativere Deals.
welpe hat geschrieben:
13. Sep 2018 11:31
Nur verdient man zumindest wen man alleine ist zurzeit jedes Jahr inflationstechnisch gesehen pro Stunde weniger.

Also muss man um den gleichen Gewinn zu haben die Preise erhöhen (was ja scheinbar kaum jemand macht) oder genug investieren um Mitarbeiter einstellen zu können. Sehe ich es richtig?
Ja stimmt grundsätzlich.
Gegensteuern kannst du i.d.R. nur wenn du ab und an wieder neue Produkte mit besserer Marge listest und dafür andere wo die Marge kaputt ist raus schmeißt.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von welpe » 13. Sep 2018 12:46

Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 12:19
Als Einzelkämpfer mit bezahlten Lager+Büro hilft tatsächlich nur die Zeit pro Versandstück weiter zu minimieren um die Effizienz zu steigern = Prozesse noch weiter optimieren, wenn Prozesse max. optimiert, geht nur noch schneller arbeiten wie du sagst.

Sonst kommt halt noch der Standortvorteil/-nachteil hinzu. Irgendwo in der brandenburgischen Walachei oder auch hier in Sachsen stehen teilweise riesige ehemalige Zentrallager von Edeka, Rewe usw. für 50-100k zum Verkauf. Wöllte man das gleiche irgendwo im Umfeld Stuttgart neu bauen (gebraucht gibt es da ja kaum Gewerbeflächen) ist man bestimmt locker bei 2Mio+. Also mal richtig groß gedacht.



Gerade ein paar Immobilien angeschaut. Wow. Die sind extrem günstig zu haben. Wo ist der Haken?

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Matt » 13. Sep 2018 12:52

welpe hat geschrieben:
13. Sep 2018 12:46
Gerade ein paar Immobilien angeschaut. Wow. Die sind extrem günstig zu haben. Wo ist der Haken?
Schlechte bis keine Autobahnanbindung, kaum qualifizierte Arbeitskräfte. Wären spontan zwei Haken, die mir einfallen.

Matt

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Rex » 13. Sep 2018 14:06

welpe hat geschrieben:
13. Sep 2018 12:46
Gerade ein paar Immobilien angeschaut. Wow. Die sind extrem günstig zu haben. Wo ist der Haken?
Gibt keinen Haken. Wenn man seinen Onlinehandel hochskalieren will gibt es hier exzellente Möglichkeiten. Teilweise auch noch gewisse Subventionen zum Mitnehmen wenn man gewisse Anzahl Arbeitsplätze neu schafft.
Sehr interessant sind die Regionen Meck-Pomm sehr östlich, da wo die neue Ostseeautobahn lang führt. Die geht teilweise noch durch Regionen mit 10-15% Arbeitslosigkeit. Bzw. sehr kurzer Weg <30km bis nach Polen, sodass es da auch einige polnische Tagespendler gibt die bei deutschem Mindestlohn bereits sehr happy und engagiert sind. In Deutschland bekommst du bei Mindestlohnangestellten ja nur die welche übrig geblieben sind.
Region um Frankfurt (Oder) an der Achse Berlin-Posen ist auch sehr interessant.

Ich bin seit etwa ~2 Wochen dabei mich mit der Thematik etwas zu beschäftigen. Dort gibt es wirklich sehr interessante Möglichkeiten.
Da rechnen sich Vorhaben die könnte man irgendwo in Bayern oder Ba-Wü allein von den Investitionskosten her gar nicht abbilden.
Matt hat geschrieben:
13. Sep 2018 12:52
Schlechte bis keine Autobahnanbindung, kaum qualifizierte Arbeitskräfte. Wären spontan zwei Haken, die mir einfallen.

Matt
Das ist aber ziemlicher Blödsinn. Ich beziehe mich jetzt mal auf Sachsen, weil du ja mit erzgebirgischer Volkskunst handelst, daher dort eventuell manchmal rumfährst.
Also die Autobahnanbindung in Sachsen ist exzellent. Nahezu von jedem Ort in Sachsen weniger als 20Min bis zur nächsten Autobahn.
Zwei Ausnahmen:
1. Nordsachen um Torgau, da wird aber zur Zeit 4 spurige Bundesstraße nach Leipzig gebaut
2. komplettes Erzgebrige, da hast du i.d.R. ~30Min

Es gibt wenn überhaupt ganz wenige absolute Ausnahmen, dass wären Oberwiesenthal(2,5k EW), Bärenstein(2,5k), Olbernhau(11k), Kurort Seiffen(2,5k), dass ist aber tiefstes Erzgebrige, Wintersportorte, teilweise in Grenzzipfeln gelegen die nach Tschechien rein ragen. Dort hast du dann schon 50-60 Min bis zur Autobahn. Aber es sind locker unter 30.000 EW die in dem Bereich leben.
Eventuell bist du aber aufgrund deiner Waren genau in dem absoluten Ausnahmebereich unterwegs. Dort ist halt die erzgebirgsche Volkskunst ansässig.
Hast du aber in Bayern z.B. auch, die abgelegenen Wintersportorte Oberstdorf, Schwangau oder Garmisch.

Als genereller Standortnachteil so aber nicht existent.

Qualifizierte Fachkräfte gibt es natürlich auch nur bei euch im goldenen Westen applaus

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von roemerhaardesign » 13. Sep 2018 14:21

Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 10:49

Ich vermute, dass die jährliche Effizienzsteigerung im Onlinehandel einfach über den ~1,4% Inflationsrate liegt.
Händler die wie fossi ~2001 anfingen, haben doch ihre Effizienz und Prozesse locker mal um 50-100% optimiert.
Ohne auch nur im Entferntesten Fossis Einkaufspreise zu kennen, behaupte ich mal frech, sein EK ist in der Zeit auch um 50-100% gestiegen.
Dazu steigende Logistikkosten, Personal, dass er damals noch nicht brauchte etc...... Da ist Optimierung nicht gewinnsteigernd oder inflationsratendeckend, sondern schlicht überlebensnotwendig.

Aber 2001 gab es auch die ganzen Micro-Händler noch nicht, die z.T. gar keine Gewinne erwirtschaften müssen. Sei es die Mutter, die nachmittags noch ein paar Servietten verkauft oder die Friseurmeisterin, die im Personalraum einen kleinen Packplatz eingerichtet hat.
Die haben natürlich jedes Recht zur (erweiterten) Selbstsändigkeit. Aber jeder Hinzukommende muss den Preis senken um z.B. bei ebay oder Ama wahrgenommen zu werden. Das geht vermutlich längstenfalls so lange gut, bis auf jeden Kunden ein Händler kommt.

Wie lange wurde auch und gerade hier gegen die Selektion durch die Hersteller oder GH gewettert. Zwingen, verklagen, erschießen (ok, das nicht so direkt). Inzwischen scheint sich aber die Meinung, dass Selektion helfen kann immer mehr durchzusetzen. Allerdings imho in vielen Bereichen zu spät. Ama schließt inzwischen Verträge mit Weltmarktführern.........da tun die Servietten von Anna dann auch nicht mehr weh. Es wird sich also langfristig ändern - aber auch zum Besseren?

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Rex » 13. Sep 2018 14:40

Streng genommen ist der Onlinehändler als reiner Wiederverkäufer überflüssig.

Hersteller die selbst Online verkaufen, die Produkte kann man quasi auslisten.
Man braucht irgendwas exklusives. Entweder bessere Konditionen aufgrund Vitamin B. Oder auserwählter Händler von nur wenigen die beliefert werden.

So wie Wolkenseifen, die als Hersteller ihre Produkte direkt selbst vertreiben. Das kann theoretisch jeder Hersteller.
Einige Hersteller wollen das eventuell nicht, weil Sie auch stationären Einzelhandel und Fachhandel beliefern.
Andere Hersteller scheuen vielleicht den Logistikaufwand. Aber theoretisch kann es jeder.

Ich denke gerade bei mittelständischen Herstellern wird da in nächster Zeit wenn die jüngere Generation übernimmt eventuell auch vermehrt ein Umdenken zum Eigenvertrieb stattfinden.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Matt » 13. Sep 2018 14:51

Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 14:06
Matt hat geschrieben:
13. Sep 2018 12:52
Schlechte bis keine Autobahnanbindung, kaum qualifizierte Arbeitskräfte. Wären spontan zwei Haken, die mir einfallen.
Das ist aber ziemlicher Blödsinn. Ich beziehe mich jetzt mal auf Sachsen, weil du ja mit erzgebirgischer Volkskunst handelst, daher dort eventuell manchmal rumfährst.

Das auch, aber ich bezog mich eher auf die Region aus der ich komme, Landkreis im ehem. bayerischen Zonenrandgebiet, bis heute ohne eigenen Autobahnanschluss. Klar, da sind die Hallen auch billig. Du bekommst die Waren dort halt nur mit +1 weg.
Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 14:06
Sehr interessant sind die Regionen Meck-Pomm sehr östlich, da wo die neue Ostseeautobahn lang führt. Die geht teilweise noch durch Regionen mit 10-15% Arbeitslosigkeit. Bzw. sehr kurzer Weg <30km bis nach Polen, sodass es da auch einige polnische Tagespendler gibt die bei deutschem Mindestlohn bereits sehr happy und engagiert sind. In Deutschland bekommst du bei Mindestlohnangestellten ja nur die welche übrig geblieben sind.
Region um Frankfurt (Oder) an der Achse Berlin-Posen ist auch sehr interessant.
Pakete aus Berlin sind nach Rhein-Main rein schon in der Regel E+2. Da würde ich noch weiter östlich/nördlich ganz klar als Standordnachteil ansehen, wenn man den größten Teil Deutschlands einigermaßen zeitnah beliefern will. Da hilft dir dann auch nicht mehr, wenn du nur 5 Minuten bis zur Ostseeautobahn hast. Wenn man da allerdings ein Außenlager aufzieht, das nur in ein zentral angebundenes Hauptlager nachschiebt, ist das natürlich kein Problem.
Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 14:06
Qualifizierte Fachkräfte gibt es natürlich auch nur bei euch im goldenen Westen applaus
Das hat mit goldenem Westen überhaupt nichts zu tun. Das hat was mit Zentren und Land zu tun. Auf dem Land sind die qualifizierten Leute entweder unter oder sie ziehen weg.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Woody-HH » 13. Sep 2018 16:26

Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 14:40
...Man braucht irgendwas exklusives...
Den "USP" (Unique Selling Point, Alleinstellungsmerkmal) eben.
Billiger und schneller als Amazon schafft von uns wohl keiner. Wer nur über den Preis verkaufen kann ist demnächst weg.
"Ich bin halt da" war vor dem Online-Handel der USP des Einzelhändlers der vor Ort keinen Wettbewerber hatte - der ist auch weg.
Wer heute keinen Mehrwert bieten kann - gute Nacht.
Wer einen guten USP hat und den zu kommunizieren weiß wird auch langfristig gegen Amazon und Co. bestehen können - mir fällt da der Musikalienhändler ein, dessen Namen ich vergessen habe.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von Matt » 13. Sep 2018 16:38

Thomann dürfte der Name sein, den du suchst.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von amaseller » 13. Sep 2018 20:01

welpe hat geschrieben:
13. Sep 2018 08:48
Jeden Monat liest man das die Preise um 2% gestiegen sind und es real sogar noch höher ist.

Nur scheint es im Onlinehandel fast kaum vorhanden zu sein.

Alles was ich letztes Jahr zum Beispiel bei Ebay gekauft habe ist gleich geblieben oder sogar gesunken.

Meine Konkurrenten haben auch die Preise nicht erhöht.

Wenn die Preise aber wirklich um 2% steigen müsste dann nicht der Onlinehändler seine Preise jedes Jahr auch um 2% steigern? Oder haben wir Jahr für Jahr einen sinkenden Gewinn da die Transportkosten und Löhne der Mitarbeiter ja höher werden.
Die Inflation wird ja über den sogenannten repräsentativen Warenkorb definiert. Dieser soll eigentlich die Ausgaben eines durchschnittlichen Haushaltes innerhalb eines Jahres mit dem Vorjahr vergleichen. Soweit bedeutet es ja nicht, dass bei einer Inflation von 2%, jedes Produkt entsprechend teurer wird. Wenn ich mich recht erinnere, besteht seit einiger Zeit der Warenkorb zu etwa einem Drittel alleine aus Miete und Energie, die ja in den letzten Jahren wirklich deutlich teurer geworden sind. Dafür würde ich mal getrost davon ausgehen, dass Luftballons eher nicht in dem Warenkorb vertreten sind.
Nehmen wir einmal an, die Miet- und Energiekosten würden 30% des Warenkorbes ausmachen und wären um 10% gestiegen, dann hättest du, wenn alle anderen Preise gleich blieben, eine Inflation von 3 %. Gleichezeitig gibt es ja noch viele andere Effekte. Der "Warenkorb" wird regelmäßig angepasst, die Lohnsteigerungen müssten berücksichtigt werden, etc.

Lebensmittel sind in den letzten Jahrzehnten immer billiger geworden, auch solche Effekte müssten ja berücksichtig werden.

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Re: Inflation im Onlinehandel

Beitrag von kreien » 15. Sep 2018 10:14

Rex hat geschrieben:
13. Sep 2018 14:40
Streng genommen ist der Onlinehändler als reiner Wiederverkäufer überflüssig.

Hersteller die selbst Online verkaufen, die Produkte kann man quasi auslisten.
Man braucht irgendwas exklusives. Entweder bessere Konditionen aufgrund Vitamin B. Oder auserwählter Händler von nur wenigen die beliefert werden.

So wie Wolkenseifen, die als Hersteller ihre Produkte direkt selbst vertreiben. Das kann theoretisch jeder Hersteller.
Einige Hersteller wollen das eventuell nicht, weil Sie auch stationären Einzelhandel und Fachhandel beliefern.
Andere Hersteller scheuen vielleicht den Logistikaufwand. Aber theoretisch kann es jeder.

Ich denke gerade bei mittelständischen Herstellern wird da in nächster Zeit wenn die jüngere Generation übernimmt eventuell auch vermehrt ein Umdenken zum Eigenvertrieb stattfinden.
Ich sehe für den traditionellen dreistufigen Großhandel wenig Perspektive. Dieses System des arroganten Auftretens, das Betteln um eine Kundennummer, der "sauber gehaltenen Vertriebswege" und Preisabsprachen - dies alles zum Nachteil des Endverbrauchers ist wettbewerbsrechtlich bedenklich. Nicht nur, dass so mancher Großhändler früher nichts besseres zu tun hatte, als den Online-Handel maximal schlechtzureden und einen jeden mit Lieferstopp zu sanktionieren, der es gewagt hat, Online-Business zu machen, schlimmer noch, selbst wurde auch der Einstieg ins Online-Business verschlafen.

Dazu folgendes Beispiel: Nachdem die Kundenzielgruppe der Eisenwarenhändler ohne Nachfolgereglung nun endgültig wegstirbt und locker mehr als 15 Jahre zu spät stellt sich der eine oder andere gezwungenermaßen dann doch noch dem digitalen Wandel, z. B. https://www.moz.de/landkreise/ostprigni ... 1/1659505/ und doch bleibt der Eindruck eines Sterbens auf Raten.

Deutsche Hersteller selbst haben aufwendige Geschäftsprozesse (SAP) und können kleine Losgrößen im Endverbrauchergeschäft nicht gut kostendeckend im Geschäftsprozess abbilden, da kommt der Onlinehändler wieder ins Spiel, aber zukünftig eher nicht mehr der traditionelle Großhandel.

Ich selbst erwische mich privat dabei, dass ich mehr und mehr im Ausland einkaufe, da bestimmte Artikel sowieso aus China kommen, kann ich auch gleich dort bestellen; andere Artikel (z. B. aus dem Sanitär-Bereich) sind in Deutschland aufgrund "sauber gehaltener Vertriebssysteme" online schlecht verfügbar - diese Artikel beziehe ich oft aus Österreich und anderen EU-Ländern. Mein Rasenmäher und die Miele-Geschirrspülmaschine habe ich ebenfalls aus Österreich bezogen, da die Preise bei allen Online-Händlern in D fast gleich (und hoch) waren.

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