Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

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fuzzy
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von fuzzy » 4. Jan 2020 12:09

Der Drops ist gelutscht, weil der Lieferant sich mit der Angabe von Gründen, auch im persönlichen Gespräch, nur angreifbar macht. Der Deutschland-Statthalter hat unterschrieben, "Umstrukturierung" ist als Grund völlig ausreichend und nicht angreifbar. Game Over.

Die schlaueren Markenhersteller merken so langsam, dass sie den Handel zum Kistenschieben gar nicht brauchen. Die Besonderheit am stationären Handel ist/war ja, dass er Kunden mitbringt/mitgebracht hat, an die der Hersteller sonst nicht ohne Aufwand kommen konnte. Wenn ich aber eine starke Marke habe, die der Kunde aktiv sucht, und nicht nur die millionste Plastik-Trinkflasche verkaufe, brauche ich keinen Handel, dann findet mich der Kunde auch so, und ich stecke die Handelsmarge lieber in die Logistik. Mehr Kontrolle über das Kundenerlebnis, mehr Kontrolle über den Preis.



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fonprofi
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von fonprofi » 4. Jan 2020 13:07

Kann aber jedem Wiederverkäufer passieren.

Eat The Rich
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von Eat The Rich » 4. Jan 2020 13:24

natufab hat geschrieben:
4. Jan 2020 11:51
Kein Händler kann einen Vertrieb zwingen, ihn mit irgendwelcher Ware zu belierfern.
OBI hat Stihl dazu gezwungen.
auch 'ne blinde Katze findet mal ne tote Maus!

bauti
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von bauti » 4. Jan 2020 13:31

Die Kündigung erfolgte ziemlich sicher wegen dem Verkauf unter UVP.

Die Aussage von fuzzy stimmt natürlich für den Onlinehandel, dass es keine Vorteile für bekannte Marken gibt wenn anstelle von 10 Händlern 40 Händler das selbe Produkt auf Amazon verkaufen. Bei Ladengeschäften sieht es aber anders aus, hier gibt es natürlich Mehrwert für die Marken, die stationären Shops sind immer noch die wichtigsten Markenbotschafter. Der Stationäre Handel ist aber natürlich angefressen wenn die Produkte dann nur knapp Kostensenkend auf Plattformen und in Onlineshops angeboten werden, deshalb wollen die erfolgreichen Marken inzwischen mit solchen Onlinehändlern auch nicht mehr zusammenarbeiten.

Ich denke es würde noch eine Chance bestehen die Beziehung mit dem Lieferanten zu erhalten wenn man zusichert dass in Zukunft nur noch zu UVP verkauft wird. Das muss aber so gemacht werden dass der Lieferant keine Probleme wegen Preisabsprachen bekommt. Am besten gleich die Preise abändern, und dann ein Schreiben in dem du erklärst dass du auch deine Strategie geändert hast und in Zukunft nur noch zu UVP´s verkaufst, zusätzlich noch eine andere Alibi Änderung für besseres Service. Es kommt natürlich drauf an ob das Vertrauen vom Lieferanten in dich gegeben ist, wenn dir Fjäraven nicht glaubt wird es nichts.

Für dich würde das natürlich bedeuten dass du online nur noch einen Bruchteil vom Umsatz mit dieser Marke machst. Dafür bleibt dann vom Umsatz sehr viel mehr hängen und Stationär kannst du weiterhin die Marke anbieten.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von Tessi » 4. Jan 2020 14:59

Ich danke euch für die vielen Posts und Meinungen. Das freut mich. Ich werde mir die Sache mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen und im Anschluss entscheiden, welchen Weg ich gehen werde. Sofern gewünscht, halte ich euch gerne auf dem Laufenenden. :)

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von H.Bothur » 4. Jan 2020 15:31

Tessi hat geschrieben:
4. Jan 2020 14:59
Sofern gewünscht, halte ich euch gerne auf dem Laufenenden. :)
Gerne !!

Hans
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von bauti » 4. Jan 2020 15:32

Tessi hat geschrieben:
4. Jan 2020 14:59
Sofern gewünscht, halte ich euch gerne auf dem Laufenenden. :)
Würde mich auch interessieren.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von DINa3 » 5. Jan 2020 06:53

Ich will mir ein e-bike kaufen und bin Vorort zum Fachhandel gegangen
Entscheidung ging zu cube
Habe dann auch im Internet geschaut und die Preise sind gleich zum Fachhandel
auf amazon gibt es garkeine Räder
also zumindest für den aktuellen Jahrgang
ältere Jahrgänge kann man zu reduzierten Preisen finden
ich vermute schwer, daß der Hersteller hier eine Bremse eingebaut hat

es gibt auch Hersteller (meist aus Italien hochwertiger Waren) die einen Verkauf auf amazon/ebay verbieten

denke, daß dies auch die einzigste lösung für das verramschen mancher Produkte ist

regalboy
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von regalboy » 5. Jan 2020 09:25

Eat The Rich hat geschrieben:
4. Jan 2020 13:24
natufab hat geschrieben:
4. Jan 2020 11:51
Kein Händler kann einen Vertrieb zwingen, ihn mit irgendwelcher Ware zu belierfern.
OBI hat Stihl dazu gezwungen.
Vermutlich hat Stihl eine marktbeherrschende Stellung?

welpe
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von welpe » 5. Jan 2020 09:46

Ist UVP nicht deswegen extra hoch damit es dann reduziert verkauft werden kann und der Kunden denkt das er spart?

Kann mich auf die schnelle nicht erinnern jemals was zu UVP gekauft zu haben.

Sonst lokal ist doch quasi alles immer unter UVP.

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Wolkenspiel
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von Wolkenspiel » 5. Jan 2020 10:34

welpe hat geschrieben:
5. Jan 2020 09:46
Ist UVP nicht deswegen extra hoch damit es dann reduziert verkauft werden kann und der Kunden denkt das er spart?
Natürlich nicht! :roll:
Ich als Hersteller verzichte ganz bewusst auf Wiederverkäufer. Aber wenn ich welche hätte, würde ich auch dafür sorgen, dass meine Marke nicht verramscht wird. Wiederverkäufer, die es nicht schaffen, die angemessenen Preise zu erzielen, sind halt nicht wettbewerbsfähig und flögen dann sofort raus. Ich kann jede Marke verstehen, die diese unsägliche Preispolitik, die im Netz herrscht, verurteilt und vermeidet. Diese Unart, dass sich jeder gegenseitig nochmal und nochmal unterbietet macht jedes Markenimage kaputt und sorgt dafür, dass die Qualitäten in der Herstellung leiden (müssen).
Richtige Marken, die wirklich etwas wert sind, findet man selbstverständlich nicht zu Dumpingpreisen im Netz. Warum ist das wohl so?

Wir sind alle Händler und wollen und müssen Geld verdienen. Mit diesem Verhalten verdient man aber kein Geld. Man macht nur auf sich aufmerksam. Dafür gibt es aber andere Mechanismen. Leider ist es ja gerade auf den Plattformen so en vogue, mit Repricern und dem ganzen Gedöns zu arbeiten.
Jeder schaufelt sich halt selbst die Grube, in die er letztenendens dann reinfällt. Und die Grube heißt dann halt auch mal Lieferstopp.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von Tony » 5. Jan 2020 11:40

Alles richtig Anne. Da ich das Problem seit jeher kenne und "habe", habe ich auch viel darüber nachgedacht, wie man es lösen kann. Aber mir fällt keine Lösung ein.
Du hast einen großen Hersteller - und fast jeder Hersteller braucht den Handel. Ausschließlich Direktvertrieb wird nur für ganz ganz wenige exklusive Hersteller funktionieren.
Dann hast Du mehrere Händler. Es gibt keine Preisbindung in D und Preisabsprachen sind ausdrücklich verboten. IMMER wird ein Händler auf die Idee kommen, den Preis zu senken. Dann wiederum werden andere nachziehen, weil sie sonst Geschäft verlieren.

Das am Ende alle verlieren ist klar und auch bei mir sehe ich hohen Margendruck. Nur die großen können sich die Minimargen leisten, weil sie entsprechende Umsätze fahren. Trotzdem müssen auch diese die Kosten gering halten und können sich dann keine teuren Fachverkäufer/Vertriebler mehr leisten sondern nur noch 11 Euro Kräfte die im Lager die Pakete raus ballern.

Das ist der Teufelskreis, in dem auch ich mich gerade befinde. Ich bin zum Glück einer von den Großen, aber wenn die Qualität leidet, weil Du sie dir nicht mehr leisten kannst, macht es keinen Spaß mehr.
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von Xantiva » 5. Jan 2020 12:41

Wir haben gerade die Situation, dass ein Hersteller offenbar die Preise für den Großhandel so anzieht, dass immer mehr Großhändler anfangen die Marke auszulisten, da es offenbar für die nicht mehr lukrativ ist. Bei den Geräten von denen hatte sich die Preisschraube in den letzten Jahren so weit nach unten gedreht, dass der Amazon Preis derzeit nur noch 60% vom UVP beträgt. Allerdings hat sich die Abwärtsgeschwindigkeit im dem Moment stark beschleunigt, als Amazon die Geräte selber gelistet hat. Ich kann nur vermuten, dass der Hersteller Amazon selber beliefert ...

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von kreien » 5. Jan 2020 13:27

Wir können natürlich lange über UVPs und Vertragsfreiheit diskutieren.

Eine Sache kommt hier etwas zu kurz und deswegen möchte ich meinen Gedankengang nochmals ausführen: Insbesondere Skandinavier haben sich im Rahmen von Compliance-Richtlinien enge Regeln gesetzt, wie man miteinander und mit Geschäftspartnern umgeht. Der hier eingestellte Brief wird diesem eigenen Anspruch von Fjällräven nicht genügen. Einen langjährigen Geschäftspartner ohne ein Vorgespräch mit einem nichts sagenden Standardschreiben einfach vor die Tür zu setzen und in existenzielle Nöte zu bringen, passt nicht ins Bild.

Die Vorgehensweise wird dem schwedischen Mutterhaus nicht zusagen, zumal das Ganze natürlich geeignet ist, die mühsam aufgebaute Marke zu beschädigen.

fuzzy
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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von fuzzy » 5. Jan 2020 14:44

Historisch betrachtet war die Handelsmarge immer für den stationären Handel kalkuliert, also 40%+. Die Onlinehändler haben die 40% gerne genommen, davon wegen geringerer Kosten aber nur 20% behalten und die anderen 20% an den Kunden weitergegeben. Mit den bekannten Folgen für den stationären Handel.

Ein cleverer Hersteller setzt die Handelsmarge deshalb künftig generell auf 20% oder weniger, damit vergeht dem Onlinehandel schon mal direkt die Lust auf Preiswettbewerb. Dem stationären Handel lässt man per Individualvereinbarung höhere Margen zukommen. Da kann man dann reinschreiben, dass es sich um Sonderkonditionen für im Ladenlokal verkaufte Ware handelt. Und wenn einer der stationären Händler plötzlich glaubt, mit seiner 40%-Marge im Onlinehandel ein großes Rad drehen zu müssen, verliert er die Sonderkonditionen. Natürlich DARF der zu jedem beliebigen Preis verkaufen, auch im Internet, auch bei eBay, auch bei Amazon, es gibt weder eine Preiskontrolle noch ein Verbot von Verkaufskanälen - er muss es sich nur leisten können. Ich halte das für eleganter als das Beibehalten von 40% Handelsmarge für alle und das selektive Ausschalten missliebiger Händler durch Einstellung der Belieferung.

Bezüglich Compliance sehe ich keine Probleme. Warum soll es unethisch sein, einen Wiederverkäufer, der die Marke durch Niedrigpreise beschädigt, mit einer Vorlauffrist von einigen Monaten vor die Tür zu setzen? Im gegebenen Rechtsrahmen ist das die freundlichste erlaubte Vorgehensweise, solange man dem Hersteller das Recht zubilligt, seine Marke zu schützen. An der hängen ja auch Arbeitsplätze.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von kreien » 5. Jan 2020 15:17

fuzzy hat geschrieben:
5. Jan 2020 14:44
Bezüglich Compliance sehe ich keine Probleme. Warum soll es unethisch sein, einen Wiederverkäufer, der die Marke durch Niedrigpreise beschädigt, mit einer Vorlauffrist von einigen Monaten vor die Tür zu setzen? Im gegebenen Rechtsrahmen ist das die freundlichste erlaubte Vorgehensweise, solange man dem Hersteller das Recht zubilligt, seine Marke zu schützen. An der hängen ja auch Arbeitsplätze.
Zum einen steht in dem Schreiben von Fjällräven (das der Threadersteller freundlicherweise eingestellt hat) nichts von "Marke beschädigen" oder "Niedrigpreise", sondern nichts dergleichen - das ist also Spekulation.

Kommunizieren durch Nichtkommunizieren gegenüber langjährigen Partnern macht eine Geschäftsbeziehung unberechenbar und wird durchaus als unethisch empfunden, wenngleich branchenüblich. Wie gesagt, wir reden hier nicht vom Rechtsrahmen innerhalb rechtsstaatlicher Vorschriften, sondern von selbstgesteckten Unternehmensgrundsätzen eines skandinavischen Herstellers der sich soziale/faire Standards und Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Ob der Deutschland-CEO, der erst ein paar Monate diese Position bekleidet (vgl. https://www.textilwirtschaft.de/busines ... age-221451) und zuvor Anfang 2019 als Countrymanager eingestiegen ist, ein glückliches Händchen hat, können wir in einigen Jahren ja mal nachlesen.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von clarius » 5. Jan 2020 18:10

Tony hat geschrieben:
5. Jan 2020 11:40
...
Du hast einen großen Hersteller - und fast jeder Hersteller braucht den Handel. Ausschließlich Direktvertrieb wird nur für ganz ganz wenige exklusive Hersteller funktionieren.
Dann hast Du mehrere Händler. Es gibt keine Preisbindung in D und Preisabsprachen sind ausdrücklich verboten. IMMER wird ein Händler auf die Idee kommen, den Preis zu senken. Dann wiederum werden andere nachziehen, weil sie sonst Geschäft verlieren.

Das am Ende alle verlieren ist klar und auch bei mir sehe ich hohen Margendruck. Nur die großen können sich die Minimargen leisten, weil sie entsprechende Umsätze fahren. Trotzdem müssen auch diese die Kosten gering halten und können sich dann keine teuren Fachverkäufer/Vertriebler mehr leisten sondern nur noch 11 Euro Kräfte die im Lager die Pakete raus ballern.

Das ist der Teufelskreis, in dem auch ich mich gerade befinde. Ich bin zum Glück einer von den Großen, aber wenn die Qualität leidet, weil Du sie dir nicht mehr leisten kannst, macht es keinen Spaß mehr.
Dass die Hersteller den Handel als Multiplikator und Vertriebsweg brauchen ist unbestritten. Eine Seite des Problems ist, dass der Handel nicht mehr aus Händlern im Sinne von gelernter, kaufmännischer Ausbildung besteht. Da kommen Leute, die weder kalkulieren können, noch den Markt kennen, und wollen mit nicht vorhandener Handelsmarge ein Unternehmen aufbauen. Leider sind die trotz erheblicher Fluktuation anzahlmäßig so stark, dass wir uns mit dieser Sorte Marktteilnehmer abfinden müssen.

Die Händler sind sich ihrer Rolle und ihrer Macht als Multiplikator aber nicht bewusst und lassen sich von dern Herstellen komplett über den Tisch ziehen. Der Händler soll das Sortiment im Laden vorhalten und den Kunden beraten, und darf natürlich nicht unter UVP verkaufen, der Kunde kauft dann aber beim Hersteller, weil er bei jedem Kauf noch ein Addon dazu bekommt, das der Hersteller nur in seinem Shop verschenkt, und dem Händler vorenthält. Für den Händler fallen dann ein paar Krümel von dem Kuchen durch gelegentliche Verkäufe ab.

Auch die "Großen" können sich Mini-Margen nicht leisten. Die positiven Skalierungseffekte dürften mittlerweile durch sinkende Preise aufgezehrt sein und die negativen Skalierungseffekte haben die Oberhand. Die Großen haben es aus meiner Sicht gar nicht nötig, auf jeden Billigpreis der Kleinen zu reagieren. Machen sie aber, weil sie denken, sie verpassen etwas - das ist reine Gier. Das Problem entsteht hier, weil alle den Preis nach unten anpassen, aber keiner den Preis wieder hoch setzt, wenn der Billigheimer weg ist oder nicht liefern kann.

Selbst Amazon jammert rum, dass auf den europäischen Marktplätzen bisher kein Geld verdient wurde. Amazon versucht mehr Umsatz zu machen und gleichzeitig die Preise immer weiter nach unten zu drücken. Es gibt Warengruppen, da verkaufen die ohne Not 25-30% billiger als der nächst teurere Anbieter. Hier scheint die Gier dem reichsten (oder zweit reichsten) Mann der Welt das Gehirn restlos weggefressen zu haben.

Die Hersteller machen fast ausschließlich lieber Kistenschieben mit Amazon als ein nachhaltiges Geschäft über den Fachhändler. Bald ist wieder Spielwarenmesse und da werden die Hersteller wieder ahnungslos tun und erklären, dass Amazon zu den gleichen Preisen und Konditionen beliefert wird, wie der Fachhandel und es gar nicht sein könne, dass Amazon ein Produkt, das für 12,50 EUR netto in der EK-Preisliste steht, von Amazon für 12,99 Brutto verkauft wird.

Ich kenne den TE, dessen Sortiment und den Hersteller nicht, aber wenn ein Hersteller die Händler, die das Markenimage mit Billigpreisen zerstören, nicht mehr beliefert, dann ist das für die verbleibenden Händler eher posiviv.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von Investor » 5. Jan 2020 18:51

clarius hat geschrieben:
5. Jan 2020 18:10
Der Händler soll das Sortiment im Laden vorhalten und den Kunden beraten, und darf natürlich nicht unter UVP verkaufen, der Kunde kauft dann aber beim Hersteller, weil er bei jedem Kauf noch ein Addon dazu bekommt, das der Hersteller nur in seinem Shop verschenkt, und dem Händler vorenthält. Für den Händler fallen dann ein paar Krümel von dem Kuchen durch gelegentliche Verkäufe ab.
Manche Hersteller brauchen gar keine externen Händler die die Preise kaputt machen, das können die selbst. Im Dez. im Ladengeschäft des Herstellers einen Artikel gesehen den die Freundin wollte, 110 Euro - angemessen. Online im Webshop des Herstellers nur 90. Da Black Dingens Week war nochmal 20% und wenn man "ja ich will kostenloses Member" werden nochmal 10%. Wer da im laden kauft ist ja... äh, dumm.
clarius hat geschrieben:
5. Jan 2020 18:10
Amazon versucht mehr Umsatz zu machen und gleichzeitig die Preise immer weiter nach unten zu drücken. Es gibt Warengruppen, da verkaufen die ohne Not 25-30% billiger als der nächst teurere Anbieter. Hier scheint die Gier dem reichsten (oder zweit reichsten) Mann der Welt das Gehirn restlos weggefressen zu haben.
Oder einfach um den Hersteller unter Druck zu bringen. Habe ich hier bei einigen Marken bei denen der Hersteller amazon nicht beliefert und immer wieder vereinzelt Stücke zu teilweise unschlagbaren Preisen auftauchen. Kann man aber ja auch als Händler kaufen.
Xantiva hat geschrieben:
5. Jan 2020 18:10
Wir haben gerade die Situation, dass ein Hersteller offenbar die Preise für den Großhandel so anzieht, dass immer mehr Großhändler anfangen die Marke auszulisten, da es offenbar für die nicht mehr lukrativ ist. Bei den Geräten von denen hatte sich die Preisschraube in den letzten Jahren so weit nach unten gedreht, dass der Amazon Preis derzeit nur noch 60% vom UVP beträgt. Allerdings hat sich die Abwärtsgeschwindigkeit im dem Moment stark beschleunigt, als Amazon die Geräte selber gelistet hat. Ich kann nur vermuten, dass der Hersteller Amazon selber beliefert ...
Ist ja auch ein beliebtes Mittel. Ein Hersteller der hier vor 10j Mal eine grosse Rolle gespielt hat hat auch einfach die VO-Summe ver-10-facht, Sonderrabatte gestrichen, amazon direkt beliefert. Muss man als Händler natürlich reagieren, online spielt das dann fast keine Rolle mehr (bei mir), im Ladengeschäft flog es natürlich sofort raus.

Der Hersteller um den es hier geht sollte sich vielleicht erstmal um die Chinesen kümmern, wir hatten das Thema zufällig vor 3 Tagen hier am Tisch (...kannst Du mal den Fjällräven Rücksack bei ebay bestellen...) - kosten nur 15 Euro inkl. Versand.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von kreien » 6. Jan 2020 01:17

clarius hat geschrieben:
5. Jan 2020 18:10
Die Hersteller machen fast ausschließlich lieber Kistenschieben mit Amazon als ein nachhaltiges Geschäft über den Fachhändler.
Auch wenn ich vom Thema abkomme, so viel OT sei im Thread erlaubt: Ist der Weg über mehrstufige Vertriebssysteme bzw. über Fachhändler auch noch in einigen Jahren nachhaltig? Glaubst du das wirklich?

Die Chinesen machen es vor, und ich glaube der Direktvertrieb, meinetwegen über wenige Plattformen, direkt vom Hersteller wird die Zukunft sein.

Das mag bei Klamotten und allem was mit Düften zu tun hat noch ein bisschen länger gut gehen, aber wenn ich mal so einige traditionelle Branchen Revue passieren lasse, ... Eisenwaren, Braune Ware, Weiße Ware, Unterhaltungselektronik, Kameras, Uhren, Computer, Schreibwaren, Plattenläden (inkl. CD, DVD, Filme), Elektronikbauteile, Handys, Bücher (inkl. Antiquariate), ... da habe ich aber den Eindruck, dass etliche Fachhandels-Marktteilnehmer noch die Rente vollmachen und dann war's das.

Eine enge Beziehung des Markenherstellers zum Fachhandelspartner gibt es auch nach Jahren nicht, Letztere werden einfach entsorgt, wenn es soweit ist, andersherum sind die Randbedingungen für den stationären Einzelhandel in den Innenstädten schlecht, vieles was mit der Schnittstelle Mensch zu hat, ist im Fachhandel auch nicht toll.

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Re: Kündigung der Geschäftsbeziehung durch Hersteller/Lieferant (Fjällräven)

Beitrag von fonprofi » 6. Jan 2020 01:24

Noch zu vergessen Tesla, die ihre Autos jetzt auch rein Online verkaufen wollen.

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