Sellerforum fragt… Peter Möller von DreamRobot

In der Interviewreihe „Sellerforum fragt…“ werden bekannte Persönlichkeiten und Urgesteine aus dem E-Commerce Umfeld zu aktuellen Handelsthemen befragt. Das heutige Interview fand mit Peter Möller statt, einer der Gründer von DreamRobot, der cloudbasierten Wawi für den Onlinehandel.



Hallo Peter.
Danke für deine Zeit und das Interview. Am Anfang ein paar Fragen zu deiner Person.
Wer bist du, aus welchem geschäftlichen Bereich kommst du und was ist deine Aufgabe bei DreamRobot?

Hallo Sebastian, zunächst möchte ich mich bei dir für die Einladung zum Interview bedanken!

Zu meiner Person: Ursprünglich habe ich Informatik studiert und war anschließend über 10 Jahre bei einer Bertelsmann Tochterfirma im Bereich Datenmanagement tätig. Dort habe ich auch Frank Oddey, meinen heutigen Geschäftspartner kennengelernt. Wir haben 2004 zusammen die Firma DreamRobot gegründet, damals aber noch unter einem anderen Namen.

Zuerst bestand unser Angebot aus einigen eBay Desktop-Tools, die vor allem für Privat-Anwender gedacht waren. Dann haben wir aber sehr schnell erkannt, dass eine Online-Anwendung in dem Bereich mehr Sinn macht als eine Desktop-Lösung. So sind wir schließlich zu DreamRobot gekommen. In der Anfangszeit ist DreamRobot zunächst ein reines eBay-Tool geblieben, welches wir aber in den vergangenen 16 Jahre immer mehr zur MultiChannel Warenwirtschaft ausgebaut haben. Heute wird unsere Wawi von professionellen Online-Händlern aller Größen und Branchen genutzt und wächst stetig weiter.

Aktuell arbeiten wir mit unseren Kunden zusammen daran, die vielversprechendsten Marktplätze zu finden und diese an DreamRobot anzubinden, um den Multichannel-Verkauf für sie optimal zu ermöglichen.

Welche Probleme siehst du im aktuellen E-Commerce, was fehlt und an welchen Punkten sollten Händler an sich arbeiten?

Der Online-Handel ist heute ein sehr diversifiziertes Feld. Jeder Online-Händler muss genau abwägen, auf welchen Marktplätzen er verkaufen will. Nicht jeder Marktplatz ist gleichermaßen für jeden Online-Händler geeignet. Des Weiteren müssen sehr viele Sachen bedacht werden, von der Produktdarstellung über die rechtlichen Fragen bis hin zur Kundenkommunikation.

Oftmals machen sich Online-Händler im Vorfeld zu wenige Gedanken und bezahlen dann im Nachgang zu viel Lehrgeld… Im Grunde kann ich Händlern also nur dazu raten, sich vorab genau darüber zu informieren, wo sich ihre Produkte am besten verkaufen lassen. Das muss übrigens nicht immer der Standard-Marktplatz wie Amazon oder eBay sein.

Aus vielen Gesprächen mit Händlern kristallisiert sich außerdem heraus, dass der Kunde im Mittelpunkt stehen muss. Das ist das beste Mittel, um Stammkunden zu generieren und langfristig erfolgreich zu sein. Der gesamte Bestellprozess und auch das Retourenmanagement muss sich nach diesem Grundsatz ausrichten! Das sollten Händler im Hinterkopf behalten, wenn sie ihre Produkte listen: Welche Informationen zum Produkt wünscht sich der Kunde? Welche Produktbilder unterstützen den Kunden am besten dabei, sich das Produkt vorzustellen. Und wie kann man einen schnellstmöglichen Bestellablauf gewährleisten?

Was sagst du zu den Platzhirschen Amazon und eBay?
Werden sie weiter wachsen, oder verteilt sich die Kaufkraft zunehmend auf andere Marktplätze wie Real.de, Otto.de etc.?

Ich denke, solange die beiden Großen keine kapitalen Fehler machen, werden diese auch zukünftig eine sehr große Rolle spielen.
Für alle anderen Marktplätze wird es auch zukünftig sehr schwer bleiben den beiden Großen signifikante Marktanteile abzugewinnen. Es gibt aber sehr erfolgreiche Markplätze, die sich auf bestimmte Branchen spezialisiert haben, z.B. im Segment Baumarkt oder Elektronik. Hier können sich auch kleinere Marktplätze durch Spezialwissen und auch besondere Funktionen sehr gut abgrenzen.

Corona – Das Gesprächsthema, wo wir aktuell einfach nicht drumherum kommen.
Welche Tipps hast du für Händler während der Pandemie? Sollte man SARS-CoV-2 aussitzen und hoffen, dass sich Alles wieder normalisiert, oder rechnest du mit grundlegenden Veränderungen der Handelslandschaft?

Hier gilt das Zitat von Rudolf von Bennigsen-Foerder: „Stillstand ist Rückschritt“ und Aussitzen verstehe ich als Stillstand und Rückschritt. Wir haben es hier mit einer plötzlichen und sehr starken Veränderung der gesamten Lebenssituation zu tun. Wer sich darauf nicht dauerhaft einstellt, ist verloren. Gerade für den Online-Handel bieten sich hier extrem viele Chancen, die aber auch genutzt werden müssen! Ich kann nur empfehlen: „Machen“! Vielleicht auch erstmal das falsche zu machen ist immer noch besser als gar nichts zu machen. Es ist gut möglich, dass die Idee die man „macht“ nicht das richtige ist. Aber meist ergeben sich genau aus diesen Ideen, die nicht funktioniert haben, neue Ideen, die dann erfolgreich sind. Man kann diese Krise also auch dafür nutzen, sein Unternehmen agiler und flexibler zu gestalten und aus Fehlern und Erfolgen gleichermaßen zu lernen.

Von #KaufLokal bis #Heimatshopping – Teile des stationären Einzelhandels „kämpfen“ seit Jahren mit allen Mitteln gegen den wachsenden Onlinehandel. Wie stehst du zu diesem Thema und welchen Rat gibst du klassischen Einzelhändlern?

Am Online-Handel kommt heute eigentlich kein Händler mehr vorbei! Wer nicht Online stattfindet, verliert Kunden! Dabei geht es gar nicht mal darum, den besten und tollsten Shop zu haben, sondern den Kunden alle Informationen online bereit zu stellen: Das fängt mit ganz simplen Informationen an: Zum Beispiel die Öffnungszeiten online einsehbar zu machen oder darüber zu informieren, welche Artikel im Geschäft angeboten werden, und welche auch wirklich vorrätig sind, usw…

Es gibt durchaus wieder mehr Kunden, die sehr gerne vor Ort bei lokalen Händlern kaufen. Aber kein Kunde hat wirklich Lust, stundenlang durch x-Geschäfte zu gehen, bis er das gewünscht Produkt auch gefunden hat und mitnehmen kann. Aktuell kommen zusätzlich noch die langen Schlangen vor den Geschäften hinzu, die durch die Zugangsbeschränkungen und Personenlimits in Geschäftsräumen vor den Ladengeschäften entstehen…
Die Kunden wollen trotzdem online nach den gewünschten Produkten suchen, sich informieren und dann direkt schauen, wo das Produkt in ihrer Nähe auf Lager ist oder am besten noch direkt zur Abholung reservieren. Und da sehe ich die zusätzliche Chance für den lokalen Handel: Online raussuchen, reservieren und sich dann noch abschließend beraten lassen, das ist der Mehrwert, den der stationäre Handel dem Kunden bieten kann. Oder ein anderes Beispiel: Online aussuchen, bezahlen, reservieren und dann am gleichen Tag noch abholen.

Außerdem ist es ein Trugschluss, dass Händler sich radikal zwischen stationär und online entscheiden müssten. Als Händler besteht selbstverständlich die Möglichkeit, neben seinem Ladengeschäft Waren auch Online zum Verkauf anzubieten. Für stationäre Händler mit diesen Ambitionen bietet DreamRobot aktuell ein besonderes Einstiegspaket an. Uns ist bewusst, dass die E-Commerce-Welt für viele Händler neues Terrain ist, daher beraten und betreuen wir diese Händler ganz besonders intensiv beim Einstieg mit unserer Warenwirtschaft. Um sicher und nachhaltig starten zu können, steht stationären Händlern außerdem eine verlängerte Testphase und zwei kostenlose Monate zu. Damit möchten wir die Händler in der aktuell prekären Situation auch finanziell entlasten und ihnen bestmöglich entgegenkommen.

Weitblick – E-Commerce im Jahr 2030:
Handel ist Wandel, aber wohin wird sich der Onlinehandel deiner Meinung nach in den nächsten 10 Jahren bewegen?

Der Online-Handel wird auch nach Corona weiterwachsen. Corona hat dieses Wachstum nur noch weiter verstärkt. Viele Kunden, die bis dato gar nicht oder nur sehr wenig Online gekauft haben, haben aktuell sehr positive Erfahrungen mit dem Onlineshopping gemacht. Die werden auch zukünftig noch mehr online kaufen. Was bei Onlineshoppern und stationären Kunden aber gleich ist, ist der Wunsch nach Qualität.

Daher glaube ich nicht, dass mit den absoluten Billigangeboten ein dauerhaftes Geschäft möglich ist, da diese Angebote nur zu Lasten der Qualität möglich sind. Der Kunde ist zwar extrem preisbewusst, aber noch mehr qualitätsbewusst. Und dass es keine Apple AirPods für 3,95 Euro geben kann, hat bald jeder verstanden 😉

Um dauerhaft erfolgreich zu sein, muss man Mehrwert beim Käufer schaffen. Das kann durch Information, Kommunikation und insbesondere auch Vertrauen und Service der Fall sein. Bei Letzteren ist (leider) Amazon immer noch einer der Besten… Darum sollten alle vom Besten lernen!

Die Nähkästchenfrage: Gib uns bitte einen Blick hinter die Kulissen.
Was kommt in nächster Zeit an Neuigkeiten bei DreamRobot?

Wir werden natürlich weiterhin neue Marktplätze anbinden und unseren Kunden zur Verfügung stellen. Aber auch andere Partner und Services, die die tägliche Arbeit unserer Kunden vereinfachen, ihnen zusätzliche Umsatzchancen bieten oder auch Kosten reduzieren, werden angebunden.

Insbesondere werden wir das Thema CrossBorder für unsere Kunden mit starken Partnern vereinfachen!

Weiterhin werden wir unseren Fokus noch mehr in Richtung Kunden lenken. DreamRobot ist eine Software, die Online-Händlern die tägliche Arbeit erleichtern soll, z.B. durch einen hohen Grad an Automatisierung. Aber zusätzlich soll es den Online-Händler auch neue Möglichkeiten bieten, ihr Geschäft noch weiter voran zu treiben. Aus dem Grund werden wir noch mehr mit den Nutzern unserer Software zusammenarbeiten. Wir werden Funktionen mit ihnen zusammen entwickeln und so optimieren, dass hier keine Wünsche mehr offenbleiben. Im Bereich DreamRobot E-Commerce-Hub, einer individuellen Lösung für große und mittelständische Händler, praktizieren wir dieses Verfahren schon. Und aus den positiven Rückmeldungen der großen Kunden ist klar, dass wir im Frontend-Bereich von DreamRobot genauso vorgehen werden.

Danke für die ausführlichen Antworten!


Das Interview mit Peter Möller führte Sebastian Feuster :
E Commerce Experte und Dienstleister, Betreiber von sellerforum.de (seit 2007) und Onlinehändler der ersten Stunde (seit 2001).

Fragen zur Interviewreihe? > mail@sebastianfeuster.de



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