Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

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Larik
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Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Larik » 3. Jun 2019 23:22

Hallo zusammen,

Ich habe es nun gewagt... (sorry, viel Text, ich muss es einfach gerade loswerden...)

Ich habe letzte Woche bei meinem Arbeitgeber die Kündigung eingereicht. Ich muss sagen, es ist mir leider wirklich nicht leicht gefallen. Ich habe vor 15 Jahren dort meine Ausbildung gemacht. Während meiner 3-jährigen Elternzeit habe ich mir meinen Onlineshop aufgebaut, welcher dann innerhalb der nächsten 2 Jahre immer größer und erfolgreicher wurde. Kurz vor Antritt meiner Arbeit bei meinem Arbeitgeber, musste ich mir meinen ersten Mitarbeiter auf 450€ Basis einstellen, da ich schon merkte, dass es ohne ihn und mit der neuen Stelle einfach nicht gehen wird. Was kommt? Ich bekomme die Stelle "meines Lebens", eine, die mir so viel Freude bereitet, ein megatolles Team an Kollegen... Nur leider hänge ich eifach schon zu tief in meinem Laden drin... Mein Mitarbeiter kommt kaum noch so mit der Arbeit zurecht. Wir wurden regelrecht von heute auf morgen mit über 120% Umsatzsteigerung fast erschlagen. Das ganze hält jetzt schon 5 Monate so an... Ich arbeite nach meiner "Festanstellung" noch täglich bis 2-3 Uhr Nachts (Bürokram, Emails, Bestellungen, Warenwirtschaft...) komme einfach nicht mehr meiner Familie nach... Der Laden hat meiner Meinung nach sehr viel Potenzial. Das ist etwas, was ich mir als "Gehalt" immer vorgestellt habe... Mein Gehalt aus der Festanstellung geht eigentlich komplett auf meinen Mitarbeiter + ein paar weitere Aushilfen drauf...

Daher habe ich schwersten Herzens jetzt meine "Festanstellung" gekündigt. Das erste Gefühl: Ich fühle mich, wie ein winzinger Fisch in einem riesigen Ozean, auf der einen Seite hat man jetzt alle "Freiheiten der Welt" auf der anderen Seite ist das Wasser dunkel und voller Überraschungen.... Davor war ich ein Fisch in einem schönen, saubern Aquarium, täglich gefüttert, versorgt, getätschelt aber eben "eingegrenzt" und jetzt... Naja...

Gibt es hier jemanden, der sich noch an seine Zeit nach der Kündigung erinnern kann? Viele Gedanken schießen mir jetzt durch den Kopf. Was wenn ich mich doch getäuscht habe, was wenn es nur eine Phase ist, was ist wenn es der Branche von heute auf morgen schlecht geht, wenn ich krank werde, (ich bin eine Frau) wenn ich dann mit 50 vll. doch mich nach einer etwas "leichteren" Arbeit sehne und nirgendwo mehr auf dem Mark genommen werde...?



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Schützer
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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Schützer » 4. Jun 2019 01:14

Hey, den Vergleich Aquarium und Ozean finde ich echt Cool und es trifft 100%.

Hab ähnliche Geschichte wie du, 10 Jahre + 3 Jahre Ausbildung bei einer Firma gearbeitet LKW Fahrer und hatte kein Plan von Steuern, IT, SEO etc. Nur paar mal was über eBay Privat verkauft.
Dann nebenbei eBay Shop gestartet 45 Angebote mit 3-4 Verkäufe pro Tag. Und ständig weiterentwickelt wo ich den Potenzial gesehen habe. Nach 5 Monaten waren es 120 Artikeln, dann kam mein Sohn zur Welt und meine Frau ging nach 2 Monaten nach der Geburt zur Arbeit und Omas + ein wenig ich waren jeden Tag mit dem Baby . Das ganze war dafür da, dass ich Innerhalb 10 Monaten Elternzeit das Geschäft von Nebenjob ins Hauptgeschäft umwandeln kann und das ist mir auch gelungen.....war harte Zeit und nur die wenigen haben an mich geblaubt, da die meisten fühlen sich in Aquarium wohl....Dafür heute 2 Jahre später muss meine Frau nicht arbeiten und kann mehr Zeit mit Kind verbringen und es läuft besser als ich mir vorgestellt habe und alle gesetzte Ziele sind überschritten.

Zu Thema was wenn es eines Tages nicht laufen wird sag ich mal so: Der Aquarium kann auch kaputt gehen, davon ist keiner Versichert. Bau dir ein weiteren Standbeine auf: z.B wenn du Jagdmesser verkaufst und die eines Tages Verboten werden, muss du zum Stichtag 300 Artikeln mit Küchenmesser in Programm haben...

Fatiz: Gut informiert sein, richtig mit der Information umgehen und Plan A,B,C immer parat haben dann wird es auch klappen.

Desto länger man in Ozean lebt desto klarer wird das Wasser.

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Mozartkugel » 4. Jun 2019 01:34

So ein Aquarium ist heutzutage zerbrechlicher denn je! Selbst nach dem Studium hat man oft keine rosigen Aussichten. Man endet bzw. startet sein Berufsleben oft als Leiharbeiter. Bei den Akademikern nennt man es nur anders... Ingenieurbüros, Porsche Engineering, usw. Klingt toll, oder? Daimler hat auch was tolles, mir fällt der Name aber gerade nicht ein.

Ist ja so gewollt von der Politik. Deutschland ist ein Niedriglohnland. Es lebe der Export, schxxx auf die Kaufkraft hier in D. Na dann, Prost/Mahlzeit saufen

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Rotzeplom » 4. Jun 2019 06:53

Herzlichen Glückwunsch! :D
Geniesse Deine Freiheit und mache das Beste daraus.
Für mich klingt Deine Geschichte danach, dass Du weisst was Du tust und keine schlecht überdachte Entscheidung getroffen hast.
Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Start in die Selbständigkeit.
Larik hat geschrieben:
3. Jun 2019 23:22
Was wenn ich mich doch getäuscht habe, was wenn es nur eine Phase ist, was ist wenn es der Branche von heute auf morgen schlecht geht, wenn ich krank werde, (ich bin eine Frau) wenn ich dann mit 50 vll. doch mich nach einer etwas "leichteren" Arbeit sehne und nirgendwo mehr auf dem Mark genommen werde...?
Kein Leben ohne Risiko. Egal ob festangestellt oder freiberuflich. Ob man die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg selber übernehmen kann, das macht den Unterschied aus. Das Alter spielt dafür nicht die geringste Rolle.

Immer den Kopf oben halten. :wink:

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Technokrat » 4. Jun 2019 08:04

Als ich Deinen Beitrag gelesen habe und noch nicht eingeloggt war, sah das hier so aus:

Hai.jpg
:D

Ich finde es schon richtig beschrieben, dass es unterschiedliche Dimensionen sind. Wobei sich das imho unterm Strich eigentlich nichts schenkt, ob einem jetzt jemand an den Karren fährt, den man kennt, oder ob das jemand Unbekanntes ist. Im großen Meer kann man sich zumindest auch wieder recht schnell verabschieden. Wobei die Jagdgründe auch die gleichen bleiben.

Das ist das, was mich am Schluss heftig nervte, dass man im Aquarium jeden Tag die gleiche ... mit den gleichen Fischen erlebt. Was sein kann ist, dass je größer der eigene Laden wird, und mehr Leute mitarbeiten, man schnell sein eigenes Aquarium wieder hat. Wobei man dann wohl eher davor sitzt - und auf den Zahnarzt wartet. Oder so.

In der Festanstellung habe ich mir immer mehr Abwechslung gewünscht. Die trat definitiv ein. Ein Umstand, der mich auch heute noch freut, auch wenn nicht alles Spaß macht. Jetzt gleich aber nehme ich mir die Freiheit und fahre wieder mit dem Rad ins "Geschäft". Das z.B. wäre früher nicht möglich gewesen.

Die "alten" Qualifikationen sind ja auch nicht weg. Gerade wieder eine Anfrage abgelehnt. Vielleicht kommt auch irgendwann der Punkt, an dem ich mir wieder ein Aquarium vorstellen kann und auch wünsche, derzeit zumindest sieht es nicht danach aus.
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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von koshop » 4. Jun 2019 08:27

Was wenn ich mich doch getäuscht habe, was wenn es nur eine Phase ist, was ist wenn es der Branche von heute auf morgen schlecht geht,
Bin jetzt seit 2002 selbständig und dieses Gefühl geht nie ganz weg. Meine Güte das sind ja schon 17 Jahre... (-o

axu
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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von axu » 4. Jun 2019 08:43

Als wenns mal richtig gut läuft, dann tanze ich immer im Dreieck und träume von meiner eigenen Karbikinsel, wenn es dann 1-2 Tage nicht so dolle läuft, sitze ich immer zitternd in der Ecke und bilde mir ein, das alles den Bach runter geht.. ist aber auch jetzt schon ein paar Jahre so und wird sich sicherlich auch nicht ändern...

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Nico-2012 » 4. Jun 2019 10:09

Herzlich Willkommen hier im Forum!

Wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Shop, allerdings ein gut gemeinter Ratschlag, die durch deiner Kündigung neu gewonnene Zeit solltest du nicht nur in deinen Shop investieren, bzw. die zusätzliche bisherige Arbeitszeit dann auch wirklich kürzen, damit du wieder mehr Zeit für die Familie hast, das Leben ist zu kurz um nur zu arbeiten und sich sorgen zu machen was morgen kommt. Harte Arbeit ist zwar wichtig, muss aber immer im Gleichgewicht bleiben oder wirklich nur über bestimmte Phasen stattfinden.

Sicher dich gut ab, aber es wird sich immer ein Weg finden. Vielleicht machst du den Shop bis zur Rente, vielleicht kannst du ihn für gutes Geld verkaufen, vielleicht hast du in 5 Jahr keine Lust mehr, vielleicht musst diesen Shop schließen, hast dann aber tolle neue Ideen. Du wirst es sehen😉

Ansonsten viel Spaß hier im Forum.

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Wuehler » 4. Jun 2019 11:46

Das klingt doch alles super und auch ich wünsche dir alles Gute und wenige schlaflose Nächte. :)

Der Mut fehlt mir noch...

Ich habe selbst schon darüber nachgedacht, bin aber erst zwei Jahre dabei und traue mich noch nicht, den Job komplett an den Nagel zu hängen.
Bei mir wird nur auf 80% reduziert und die 20% werden in Freizeit bzw. das Weihnachtsgeschäft investiert.

Larik
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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Larik » 4. Jun 2019 18:47

Technokrat hat geschrieben:
4. Jun 2019 08:04
Als ich Deinen Beitrag gelesen habe und noch nicht eingeloggt war, sah das hier so aus:


Hai.jpg

:D

applaus :durchdreh: Na hoffentlich wird es nicht so in Wirklichkeit ausschauen wegrenn

Vielen Lieben Dank für all die schönen Zusprüche! Wahrscheinlich werde ich nach einem Monat in der Selbstständigkeit gar nicht mehr an meine alte Arbeit denken... Ich hoffe auch sehr, dass ich mich dann nicht all zu sehr in die Arbeit als Selbstständige stürze und dadurch noch mehr arbeite... Eigentlich war meine Einstellung, als ich nach meiner Elternzeit wieder in meiner Festanstellung angefangen habe, dass ich hier eben diese Zeit am Vormittag mehr gemütlich verbringen werde und mir diese 4.5 Stunden am Tag etwas "Ruhe" in den Tag bringen... aber ich merke, dass ich dadurch einfach viel weniger schaffe und meine Ziele nicht erreiche, die ich mir gesetzt habe. Alles läuft viel chaotischer ab. Manchmal schaffe ich es nicht mal innerhalb einer Woche mich im Lager blicken zu lassen, da ich so voll mit anderen Aufgaben bin. Und das ist etwas, was mich persönlich sehr stört. Gott sei Dank habe ich so ein Glück mit meinem Mitarbeiter, der mit Herz und Hirn bei der Sache ist. Ich will es gar nicht verschreien... ich denke, ich zahle im auch gut und er schätzt die Arbeit, die er macht (hoffentlich :gruebel: )

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Technokrat » 4. Jun 2019 20:32

Wahrscheinlich ist das bei Dir ja auch schon der Fall, dass sich über die Zeit ein Netzwerk an Ansprechpartnern um einen herum bildet. Als ich ebenfalls nebenberuflich startete, war meine größte Sorge rechtliche Probleme zu bekommen. Mittlerweile ist es in dem Bereich deutlich anspruchsvoller geworden, aber auf dem Weg dahin haben sich auch fähige Ansprechpartner ergeben, was das wiederum etwas relativiert. Man muss das zwar immer noch "alleine" durchstehen, kann aber entscheidende Fragen auch abgeben, was manchmal ohnehin geraten ist. Kommt ein solches Problem auf, hat man quasi per Mausklick den richtigen Menschen dafür an der Hand, der sich darum kümmert. Man muss nicht erst suchen, kann sich prompt informieren/reagieren/abgeben, das vermeidet zumindest hier schlaflose Nächte.

Und für nervige Kunden gibt´s hier den äußerst erfolgreichen Jammerthread :)

Das Gefühl, manchmal direkt in einen krachenden Niedergang zu blicken kenne ich sehr gut. Theoretisch und hochgesponnen könnte das auch jederzeit funktionieren, man weiß ja nie, an welchen Kamikazen man gerät. Das ist aber glaube ich in allen Bereichen des Lebens so.
Wenn es in einer Festanstellung in einer Firma Streichrunden gibt, bei denen alle ganz genau wissen, so und so viele fliegen raus, oder der Controller geht um (buhuuuu und rasselt mit dem Schlüsselbund) schenkt sich der eine Teich wie gesagt mit dem anderen meiner Meinung nach nichts.

Und eines noch so weit: Im Online-Meer schwimmen wirklich auch sagenhaft dämliche Haie herum.
Also getreu dem Motto von Douglas Adams: Keine Panik und immer ein Handtuch - oder Netzwerk - mitnehmen.

Edit: Mit der Selbstorganisation denke ich muss jeder sich selbst kennen und versuchen sich zu organisieren. Mir hilft´s die Zeiten für Tätigkeiten einzuteilen. Manchmal gibt´s auch eine Zeit, da mache ich einfach - nix.

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von 8-Minutes » 7. Jul 2019 16:14

Sowas erfordert richtig Mut und gehört gelobt! "Einfach mal machen" ist ne klasse Einstellung, die sich nicht jeder traut. wegrenn

"Alles woran man glaubt, beginnt zu exisztieren." - Ilse Aichinger -

Das Zitat unterstreicht das ganz gut :)

Das wichtigste ist, das zu tun woran man Glaubt, sich selbst identifizeiren kann und vor allem glücklich ist. Daher ist die Entscheidung, die Du getroffen hast, als ziemlich mutig zu bewerten um den Schritt zu gehen. Immerhin bringt Selbstständigkeit nicht nur viel Verantwortung, sondern auch Flexibilität mit sich und natürlich den Vorteil, dass man so Vorgehen, Handeln und Führen kann wie man selbst möchte.


Viel Erfolg weiterhin!

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von DINa3 » 7. Jul 2019 16:54

Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg !

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von fossi » 9. Jul 2019 16:37

Larik hat geschrieben:
3. Jun 2019 23:22
Gibt es hier jemanden, der sich noch an seine Zeit nach der Kündigung erinnern kann? Viele Gedanken schießen mir jetzt durch den Kopf. Was wenn ich mich doch getäuscht habe, was wenn es nur eine Phase ist, was ist wenn es der Branche von heute auf morgen schlecht geht, wenn ich krank werde, (ich bin eine Frau) wenn ich dann mit 50 vll. doch mich nach einer etwas "leichteren" Arbeit sehne und nirgendwo mehr auf dem Mark genommen werde...?
Das ergeht wohl jedem Händler ähnlich, zumindest wenn man sich selber ins kalte Wasser schmeisst.
Deine Gedanken werden sich auch bewahrheiten, zumindest teilweise, denn Handel ist nicht einfach.
Laufend ändern sich Dinge und man muss sich anpassen.
Nach bombigen Zeiten kommen auch mal Durststrecken.
Es gibt lockere Zeiten, aber genauso Stoßzeiten mit Stress pur, welchen man so als Angestellten mit einem 9-15 Uhr Job so nicht kennt.

Wünsche dir auf jeden Fall Glück das dein Vorhaben lange, wenn nicht sogar lebenslang, funktioniert. :)
Wenn nicht, dann ist das auch kein Beinbruch und man muss sich eben wieder um eine Stelle bemühen.


Ich für meinen Teil bin momentan auch in einer Zweifel-Phase.
Mache nun seit 2001 eCommerce (was damals noch eBay hieß, da es nix Anderes gab).
Über die Jahre viel Auf und Ab, zwischendurch einige richtig teure Fehler gemacht und entsprechend Lehrgeld bezahlt (z.B. eine GbR mit einem Bekannten usw). Aktuell sind die Asiaten ein zunehmendes Problem und viele in meinem Bereich haben bereits die Segel gestrichen.
Nach 18 Jahren Handel ist bei mir zudem etwas "die Luft raus" und ich hab aktuell garkeinen Bock nochmal ein neues Sortiment zu suchen.

Strukturiere daher seit ein paar Monaten meinen Versand um (Plattformhandel fast eingestellt, Verkleinerung auf ein Grundsortiment) und hab schon ein komplett anderes Projekt in der Hinterhand, was nichts mit dem Handel zu tun hat.
Ob das überhaupt läuft? Keine Ahnung! Aber so ist das Leben eines Selbstständigen.
Man arbeitet selbst und ständig, hin und wieder gehen Versuche mit neuer Ware oder Projekten in die Hose, aber da hilft nur Krone richten und Weitermachen.
Sollte sich irgendwo ein richtig gutes und passendes Jobangebot auftun, wäre ich momentan auch nicht ganz abgeneigt noch was nebenher zu machen, aber die Chancen darauf stehen hier in der Pampa eher schlecht. Unsere Dorfläden können mit einem eCommerce-Oldie nix anfangen, aber es wäre sicher eine interessante Erfahrung bzw Abwechselung, so nach 18 Jahren eigene Pakete vertüddeln.

Also lass dich nicht entmutigen, wenn du die ersten Probleme hast. Da werden noch weitere folgen und i.d.R. findet sich immer irgendeine Lösung.
Solange sich dein Vorhaben aber aufs Jahr gesehen rechnet: mach weiter. :)
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Goldtal
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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Goldtal » 12. Aug 2019 12:19

Ich kann dir da auch nichts neues schreiben, aber wie alle anderen hier wünschen: Weiter so! Toll und viel Erfolg! Du klingst nicht nach jemandem, die einfach so eine Entscheidung trifft, sondern die versucht, das Beste für sich und ihre Mitarbeiter zu erlangen. Das wird sicher belohnt werden. :)

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Buchmerlin » 12. Aug 2019 14:02

Selten habe ich in einem Online-Thread zum Thema prägnantere Formulierungen gelesen wie hier:

"Ich fühle mich, wie ein winzinger Fisch in einem riesigen Ozean, auf der einen Seite hat man jetzt alle "Freiheiten der Welt" auf der anderen Seite ist das Wasser dunkel und voller Überraschungen.... Davor war ich ein Fisch in einem schönen, saubern Aquarium, täglich gefüttert, versorgt, getätschelt aber eben "eingegrenzt" und jetzt... Naja... "

und

"Als wenns mal richtig gut läuft, dann tanze ich immer im Dreieck und träume von meiner eigenen Karbikinsel, wenn es dann 1-2 Tage nicht so dolle läuft, sitze ich immer zitternd in der Ecke und bilde mir ein, das alles den Bach runter geht.. ist aber auch jetzt schon ein paar Jahre so und wird sich sicherlich auch nicht ändern..."

Ich wüßte keine treffenderen Worte, die im Grunde alles wesentliche zum Thema selbstständig im Online-Handel zusammenfassen. TOP!!!! Danke Leute!

Ja, ich würde es wieder tun.....
Schon, weil ich keinen Bock habe, daß im Aquarium lauter Fische um mich rum sind, die kaum geschlüpft sind, aber alles können und wissen. Die meisten von Euch werden diese spezilee Sorte Jung-Akademiker kennen. Selber Entscheidungen treffen kann so befreiend sein!

@Larik: Du machst das richtige! Das klingt durchdacht, nach Hand und Fuß. Und Du machst Dir Gedanken darum. Weiter so!

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von kasselbag » 12. Aug 2019 23:16

Ich habe vor ca. einem halben Jahr meinen Online Shop verkauft (nach 17 Jahren). Habe ein gutes Jobangebot erhalten und im April das erste Mal in meinem Leben als Angestellter gearbeitet.

Nach 3 Monaten habe ich gekündigt! Das ging gar nicht - die Arbeit als Angestellter hat für mich überhaupt nicht funktioniert. Arbeite jetzt freiberuflich als Online-Marketing-Berater (u.a. für den Käufer meines Shops). Für die nächsten Monate habe ich erst mal Aufträge, was danach kommt weiß ich nicht. Ob ich mir das Angestelltendasein noch mal antue...keine Ahnung. Selbständigkeit ist für mich mittlerweile so selbstverständlich, eigentlich möchte ich nichts anderes mehr.

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Mozartkugel » 13. Aug 2019 01:57

ich muss auch gestehen... nach dem Studium bin ich gleich in die Selbständigkeit. War also nie Angestellter. 3x durfte ich erleben (2x Praktika und 1x Dipl.-Arbeit) wie das so ist in großen Unternehmen. Einfach nur ekelhaft... Kollegen sehen nur ihren eigenen Vorteil und sägen bei jeder Gelegenheit am dem Stuhl vom anderen, die Vorgesetzten knallen dir Projekte aufm Tisch das Überstunden vorprogrammiert sind und das zu einem Hungerlohn. Nein, danke.

Das einzige was ich vermisse ist das leckere Essen in der Kantine.

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von Technokrat » 13. Aug 2019 08:03

...und wenn nicht gesägt oder Projekte auf den Tisch geknallt werden, gibt es die unsäglichen Bürogespräche (-S Aufgrund derer dann auch wieder gesägt und geknallt werden kann, was allerdings auch nicht nur an den anderen Leuten liegt, man selbst spielt ja auch mit. Eigentlich braucht man nur Kameras aufhängen, dann hat man eine tägliche Soap, die man nichtmal scripten muss, das kriegen die Leute ganz alleine hin. 12 Jahre im gleichen Laden, mit mehr oder weniger den gleichen Leuten, bei stetig steigendem Zeit- und Leistungsdruck aufgrund von schwierigem Markt aber auch Fehlentscheidungen. Da hat man gerade wieder das Stress-Fiepen im Ohr, dann kommt ein Kollege herein, der gerade Zeit hat und jammert einen voll. Das hilft dann schon sehr.

Jetzt ist es auch nicht immer witzig und entspannt - aber bislang für mich mit einer anderen Grundqualität. Was glaube ich meistens damit zusammenhängt, dass die Entscheidungen von mir kommen. Und die können ja natürlich nur richtig sein engel
Und es gibt keine Kollegen, die jammern. Die erste Zeit habe ich das sowas von genossen. Das muss sich allerdings so langsam (immer noch) wieder ändern. Dann aber hoffentlich ohne Jammern.

Das war übrigens der Hauptgrund nicht zum Bund zu gehen: Ich vermute, das mit den Befehlsketten wäre ganz schrecklich schief gegangen. Wenn mich da jemand anschreit, von dem ich nix halte, ich soll durch den Matsch krabbeln. Vielleicht hätte ich es sogar gemacht, aber absichtlich falsch, oder... Keine Ahnung, ich wollte es zum Wohle beider Seiten nicht herausfinden. Bei dem Bild musste ich gerade lachen :)

Einen schönen guten Morgen übrigens :winken: , ich arbeite jetzt die Kundenanfragen ab und fahre dann mit dem Rad in die Halle juhu

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Re: Ab jetzt selbstständig... das erste Gefühl...

Beitrag von fossi » 13. Aug 2019 11:44

kasselbag hat geschrieben:
12. Aug 2019 23:16
Ich habe vor ca. einem halben Jahr meinen Online Shop verkauft (nach 17 Jahren). Habe ein gutes Jobangebot erhalten und im April das erste Mal in meinem Leben als Angestellter gearbeitet. Nach 3 Monaten habe ich gekündigt! ...
Ich befürchte mir könnte es ähnlich ergehen. :)
Bin die letzte Zeit ein wenig am Grübeln und mein momentanes Sortiment weiter am eindampfen (keine Chance gegen China), aber "ein normales Angestelltenverhältnis eingehen" könnte zum Problem werden.
Bei mir sind es jetzt 18 Jahre Selbstständigkeit, quasi direkt nach der Lehre eingestiegen und ich kann meinen Mund auch nicht halten.
Wer so lange im eCommerce mitspielt, der sieht falsche Abläufe häufig direkt und macht nicht jeden aussichtslosen Mist mit, nur "weil es schon immer so gemacht wurde". Wenn man da an den falschen Chef oder einen nicht kritikfähigen Vorgesetzten gerät, braucht man ggfs nichtmal nach 3 Monaten zu kündigen, sondern wurde bereits gegangen.
Sollte ich wirklich irgendwann ein passendes Jobabgebot finden, dann müsste dies schon ein sehr gutes sein und gewisse Freiheiten sowie Entscheidungskraft beinhalten, denn anders ginge es ziemlich sicher in die Hose.

Ein lange Selbstständiger ist eben das Gegenteil von einem langjährigen Bundi.
Die können oft nur noch Dienst nach Vorschrift und denken keinen cm weit mit. Genauso doof für manche Positionen...
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