Sortimente, die stationär Zukunft haben

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Ach
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Sortimente, die stationär Zukunft haben

Beitrag von Ach » 16. Dez 2019 09:13

Moin moin,

ich bitte um (begründete) Prognosen und Einschätzungen, welche Sortimente auch zukünftig stationär überleben werden bzw. möglicherweise gar überwiegend stationär stattfinden werden.

Hintergrund: Ich sehe, dass einige meiner Sortimente stationär regelrecht absterben (Sudden Death, kein langsames Siechtum), während andere vom Online-Handel bisher kaum tangiert wurden. Die nächsten Monate werden wir uns von Sortimenten trennen müssen und hoffentlich neue, zukunftsfähige finden.

Ich mach auch gleich mal den Anfang aus eigener Erfahrung und Wahrnehmung heraus:

Das eine Extrem:
Film, Musik: Hier erleben wir gerade ein plötzliches Sterben. Durch Streaming sind die Herstellungs- und Versandkosten der Onliner gegen 0 gegangen und ich tu mich mit dem Abverkauf der Reste schwer, weils kaum mehr gesucht wird
Games: Dito, mit der neuen Konsolengeneration ohne Laufwerk wird es noch enger. Dafür können wir hier jetzt auf niedrigem Niveau Guthabenkarten verkaufen.

Das andere Extrem:
Einbauküchen:
Der Versandhandel hat hier einen Marktanteil im niedrigen einstelligen Bereich (ich hörte was von 2%), macht quasi keine Fortschritte und keine Gewinne. Für die Kunden kommt der Online-Kauf meistens gar nicht erst in Frage. Aufgrund der aufwendigen Serviceleistungen denke ich, dass sich daran auch mittelfristig nichts ändert.


Weiterhin:
Elektrogroßgeräte: Service-Orientierte Geschäftsmodelle können hier stationär überleben, weil die Kunden für kurzfristige Lieferung und Einbau bereit sind zu bezahlen. Teilweise auch für Beratungsqualität.
Da die Logistiker immer weniger den Service für Großgeräte leisten, könnte hier der stationäre Handel den Vorsprung ausbauen.

TV&HiFi: Teilweise wie Großgeräte, aber Versand ist einfacher. Teilweise besteht hier dafür der Wunsch, das Gerät vorher in natura zu sehen und zu
hören

Smartphones: Der Handy-Laden, der seinen Kunden teure Verträge anbietet, wird bleiben.

Übrige Elektrogeräte: Wird der Online-Handel dominieren. Die Ware wird planvoll und rational gekauft, ist 100% vergleichbar, Versand und Rückversand sind unproblematisch... Wir versuchen hier, mit guter Beratung zu punkten. Zusammen mit sofortiger Verfügbarkeit die einzigen echten Argumente. Obs langfristig reichen wird? Ich bin skeptisch.

Geschenkartikel, Lederwaren, tlw. Mode: Als Impulsartikel können diese Warengruppen stationär auch in Zukunft eine nennenswerte Rolle spielen.


Branchen: Stationärer Handel: Consumer Electronics, Haushaltswaren, Geschenke, Lederwaren. Online: Consumer Electronics. Handwerk: Einbauküchen, Elektroinstallation, Haustechnik, Informationstechnik.

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koshop
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Re: Sortimente, die stationär Zukunft haben

Beitrag von koshop » 16. Dez 2019 09:52

In vielen Bereichen gibt es noch Chancen im B2B Bereich. Unser Nachbar hier verkauft z.B. Elektronik und PCs aber für den Industriebedarf. Da kommts darauf an, Ausfallzeiten niedrig zu halten. Den Firmen nützt ja nix wenn sie von Amazon einen Monat kostenlos Prime bekommen, wenn mal was kaputtgeht.

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Re: Sortimente, die stationär Zukunft haben

Beitrag von Roemer » 20. Dez 2019 15:23

Sehr hochwertige (Luxus-)Artikel werden noch ewig die Domaine des stat. Handels bleiben. Schon alleine, weil die entsprechenden Hersteller aufpassen, wer seine Ware verkauft. Funktioniert natürlich nur in Großstädten, also Städten ab 100.000 Ew oder entsprechenden kaufkräftigen Ballungsräumen. Gibt es knapp 100 von in Deutschland. Die Käuferklientel läßt sich halt gerne noch betütteln und liebt hochwertige Ausstellungen. Man kann noch demonstrieren wer man ist und was man hat. :-)

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Re: Sortimente, die stationär Zukunft haben

Beitrag von bcksbx » 20. Dez 2019 15:51

Särge ..... Schuldigung

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Re: Sortimente, die stationär Zukunft haben

Beitrag von fossi » 20. Dez 2019 16:03

Lebensmittel / Dinge des täglichen Bedarfs.
Das lässt sich zwar online abbilden, aber Logistik ist durch Kühlkette etc recht teuer und zudem planen viele nicht tagelang im Voraus.
Wenn ich heuteabend Bock auf Tiefkühlpizza habe, setze ich mich ins Auto, fahre 2 Minuten in den nächsten Supermarkt, habe eine große Auswahl und entscheide mich letztlich vielleicht doch für etwas Anderes.

regionale oder besondere Artikel:
Wirklich frischen Kaffee gibts der kleinen örtlichen Rösterei, die Eier aus dem Hofladen schmecken nicht so fischig wie manch Discounterkram, regional personalisierte Dinge kommen als Geschenke immer gut an, Einzigartigkeit (z.B. exklusive Artikel aus eigener Manufaktur) ist nicht so schnell kopierbar und schafft ein Alleinstellungsmerkmal.

Teure Artikel:
Schmuck, Autos, Parfum, hochwertige Kleidung etc - Alles Dinge, was die Leute gerne in die Hand nehmen, sehen / riechen / testen wollen.
In entsprechenden Läden wird man natürlich extra betüddelt, dazu passende Aktionen mit Sektchen und Co. In dem Punkt kann Online nicht ganz mitspielen.

große & schwere Produkte:
Bei manchen Dingen kann der Onlinehandel vielleicht punkten, z.B. Betonmischer frei Haus, statt erstmal ein großes Auto für den Transport besorgen, aber wer umbaut wird zumindest die großen und schweren Dinge (Beton, Steine, Rigipsplatten, Farbeimer usw) alleine aus kostengründen weiterhin eher vor Ort kaufen, statt online. Hier setzt ebenfalls die Logistik eine Grenze bzw macht es teuer

Mitnahmeartikel / Impulsware:
Keine Zeitung ohne Kiosk, Kaugummi und Co. gibts an Supermarktkassen und Zigaretten an der Tankstelle.
Je nach Betrieb kann sich entsprechendes Zusatzsortiment also lohnen. Bei einem sortenreinen Laden in dem Bereich (z.B. Geschenkartikel) wirds aber schon schwieriger, außer man hat entsprechend Laufkundschaft vor der Tür.


Für viele anderen Sortimente ohne nennenswerten USP sehe ich große Schwierigkeiten voraus.
Das Netz macht Preise vergleichbar und nicht so dringende Artikel ohne weiteren Hilfebedarf werden seit Jahren zunehmend online bestellt.
Warum sollte man für eine Waschmaschine, Adidas-Pulli, Weihnachtsdeko oder eine Heißklebepistole vor Ort das Doppelte zahlen, wenn man es mit wenigen Klicks an die Haustür geliefert bekommt?

Preisgünstige Artikel, kopierbares Noname-Zeug etc: noch schlimmer als Markenware.
Große Discounter, welche zur Hälfte nur noch aus Aktionswaren-Wühltischen bestehen, oder Billigmarkt-Filialisten wie Tedi, Action, Centershop und Co. machen die Preise abseits des Internets mit zumeist billigen Importartikeln total kaputt. Der kleine Fachhandel mit geringen Abnahmemengen und teuren Zwischen-Großhändlern kommt da auf Dauer oft nicht mehr mit.

Mein Fazit:
Mit dem passenden Sortiment, richtigen Alleinstellungsmerkmalen und /oder zusätzlichem Mehrwert für den Kunden (z.B. Testmöglichkeiten, Aufbauservice, usw) kann man als stationärer Handel noch lange Kunden halten.
Langfristig sehe ich die Geschäftswelt vor Ort aber deutlich schrumpfen.
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