Posts by koshop

    Das muss noch nicht mal eine Lobby der Großkonzerne sein. Kanzleien, Freiberufler und Beratungsunternehmen agieren ja nicht nur als "Thinktanks", sondern sind in den Lobbyverbänden auch bestens vernetzt und profitieren ungemein vom Delegieren dieser Bürokratie an Dritte.

    Diverse Firmen / Organisationen die sich ursprünglich auch als Interessenvertretung für Händler verstanden haben, sind in dem Bereich zumindest kaum noch aktiv, seit sie das Geschäft mit Rechtstexten für sich entdeckt haben.

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    Bisher ist der Tenor eher das Fehler und Schadensbegrenzung mehr kostet als das es etwas bringt.

    Wenn man den Output kontrolliert kann man da schon viel machen. Produktbeschreibungen aufmotzen, Texte schreiben lassen, Übersetzungen, Korrektur von Grammatik und Rechtschreibfehlern usw.

    Viele Unternehmen sparen sich natürlich die Kontrolle und nehmen in Kauf das Quatsch produziert wird.

    Gäbe es das Datenschutzproblem nicht, wäre noch viel mehr möglich, z.B. E-Mails an Kunden vorgenerieren.

    Muss mal ein ernstes Wort mit meinem Mitarbeiter sprechen der den Einkauf macht wenn er aus dem Urlaub kommt. Er soll mal die Produktdaten anständig pflegen.

    Eigentlich haben wir ein tolles Bestellsystem. Es kalkuliert den Bedarf und mit einem Mausklick kann man die Bestellung machen.

    Jetzt will ich bestellen und muss mich erstmal durch irgendwelche Karteileichen durcharbeiten, Adventskalender und anderen Schrott. Statt einfach mal ne Einkaufssperre ins System zu machen stellt er einfach immer von Hand die Anzahl auf 0.

    Aber wir haben ja seit Jahren eine ansteigende Erwerbsquote und Erwerbstätigenzahl, vor allem weil von anderer Stelle Menschen in den Arbeitsmarkt kommen. Und da haben wir auch noch weiterhin Arbeitskräftepotential.

    Ich sage ja auch nicht das das Problem nicht lösbar ist. Potential gäbe es schon. Aber solange man sich der Realität nicht stellt wird es nicht voll ausgeschöpft. Solange Unternehmer und Poltiker jammern: "Niemand will mehr arbeiten" und so tun als müsste man nur genug Druck machen und dann hüpfen aus dem Pool der Bürgergeldempfänger lauter Softwareentwickler, Buchhalter, Handwerker, Landärzte, Krankenpfleger und LKW-Fahrer, rufen "Ich ergebe mich" und nehmen ihre Arbeitsplätze ein, passiert halt nix.

    Fakt ist, dass dieses Geld von denen erwirtschaftet wird, die arbeiten. Und je mehr man arbeitet, um so mehr wird einem abgenommen.
    Und wenn dieses Geld dann denen gegeben wird, die einfach "keinen Bock" haben, dann ist bei mir Ende mit "gönnen".

    Das ist ja eine Meinung die ich dir gerne zugestehe und eine Diskussion die man ja auch gerne führen darf. Sie hat in meinen Augen nur absolut nichts mit dem Arbeitsmarkt zu tun. Passt ja schon alleine von den Zahlen nicht, wenn man 12 Millionen hat die in den nächsten Jahren in Rente gehen.

    Das ist aber leider auch eine beliebte Taktik von Poltikern. Statt den Leuten die Realität vor Augen zu führen, zapft man lieber den Pool an Ressentiments und Vorurteilen für Wählerstimmen an - die aber das eigentliche Problem - hier Arbeitskräftemangel nicht lösen.

    Streich allen Bürgergeldempfängern das Geld, dann haben wir einen neuen Pool von Obdachlosen, Tafelbesuchern und Privatinsolvenzen aber immer noch niemanden der die Buchhaltung macht.

    Bald wird es "besser" laufen

    Ich finde es ja erschreckend wie viele Leute und grade auch Unternehmer immer noch diesem Märchen anhängen, das im Pool der Bürgergeldempfänger irgendwelches nennenswertes Rekrutierungspotential vorhanden ist. Das da ein "Schatz" an Arbeistkräften versteckt ist, den man nur heben muss.

    Von den 5 Millionen Bürgergeldempfängern gelten ja gerade mal 1,5 Millionen als "arbeitslos", der Rest sind z.B. Schüler, pflegt Angehörige oder ist Aufstocker. Und von den "arbeitslosen" sind viele dann psychisch krank, leiden an Depressionen, sind suchtkrank oder halt unqualifiziert. Die paar Tausend die man durch irgendwelche Maßnahmen "motvieren" kann sind doch ein Witz gegenüber den Millionen die jetzt in Rente gehen und für die niemand nachkommt. Sollte vielleicht der ein oder andere den Gemeinschafstkundeordner aus der sechsten Klasse wieder rausholen, da kann er alles über "Alterspyramide" und demographischen Wandel nachlesen.

    Viele erben jetzt auch und wer dann das Häuschen von den Eltern erbt, stellt dann halt auf Teilzeit um. Warum auch nicht.

    Als Unternehmer muss man der Tatsache ins Auge sehen, daß das Arbeitskräftepotential in Deutschland weitgehend ausgeschöpft ist. Entweder man bietet mehr als die Konkurrenz oder der Arbeitsplatz bleibt eben unbesetzt. Und wer sein Unternehmen irgendwo in der Pampa hat, hat eh schon verloren. Niemand zieht wegen einem Job in der Buchhaltung nach Nordwestuckermark oder Hinterweiler.

    Die Diskussion ums Bürgergeld ist ein Thema das absolut nichts mit dem Arbeitsmarkt zu tun hat. Das ist eine: "Ich gönne niemanden Geld zu kriegen der nicht arbeitet" Diskussion die man ja gerne führen kann. Aber selbst wenn man jedem heute das Bürgergeld streicht, löst man damit kein Arbeitsmarktproblem.

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    Der Vertriebsgebietsleiter einer unserer Lieferanten war entäuscht, dass wir dieses Jahr keine Steigerung (in der Höhe von 20% Umsatz hätte er gerne dieses Jahr gehabt) mit ihm hinlegen und wurde dann pampig als ich gesagt habe, dass es eingeplant ist auf einen möglichen Steigerungsbonus diese Jahr zu verzichten. Vor allem weil bei der aktuellen Kauflaune der Kunden viele Händler auf biegen und brechen (zusammengefasst Dumbing-Preis) die Lager leeren.

    Wir haben da auch ein paar Kandidaten bei denen ich mich aufregen könnte. Da ist ständig Ware nicht lieferbar, die Rückstandsliste ist vier Seiten lang und dann wird gefragt warum wir keine Umsatzsteigerung haben. Was nicht da ist kann ich auch nicht verkaufen.

    Oder sie ändern ständig die Namen ihrer Produkte oder stellen das Sortiment um so daß kein Mensch mehr durchblickt und die Leute ihre Produkte nicht mehr finden.

    Wie kann man eigentlich solche NVIDIA & Co. Aktien frühzeitig erkennen?

    Du schließt deinen Online-Handel und konzentrierst dich darauf Informationen über Unternehmen zu sammeln und auszuwerten. In die investierst du dann.

    Aber im Prinzip ist das eigentlich Glückssache. Für jede Aktie die so durch die Decke geht, hat der normale Anleger mehrere Rohrkrepierer im Depot. Spricht dann aber keiner mehr drüber.

    Also ich hab mir jetzt mal von chatGPT einen Muster "Sorgfaltsbericht" erstellen lassen. Wenn ich das richtig sehe läuft das auf genaus den selben Quatsch raus wie bei der Verfahrensdokumentation nach GoBD. Man stellt sich quasi selbst ein Zeugnis aus, daß man alles einhält und das wars dann im großen und ganzen.

    Kurzfassung:

    "Risikobewertung niedrig, da man nur bei europäischen Händlern einkauft".

    Maßnahmen: "Aufnahme von Nachhaltigkeitsklauseln in Verträge mit Lieferanten, die deren Verpflichtung zur Einhaltung der EUDR und zur nachhaltigen Beschaffung bestätigen."

    Zusammenfassung "Firma X hat umfassende Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass alle bezogenen Produkte und Verpackungsmaterialien den Anforderungen der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten entsprechen."

    Ende des Sorgfaltsberichts und zwischendrin noch etwas aufgeblassenes blabla.

    Zumindest für den normalen Händler, für Großhändler und Importeure wirds komplexer.

    Eine Lückenlose Dokumentation im Sinne "Ich schreibe mir jetzt auf, dass ich 2500 Blatt Schreibmaschinenpapier gekauft habe und lege das Zertifkat dafür irgendwo ab" ist wohl nicht erforderlich.

    Muss man mal abwarten wie das genau gedacht ist. Lieferketten schön und gut, bei der Einfuhr ergibt das ja Sinn, aber ich muss doch erstmal davon ausgehen daß das was ich innerhalb von Europa kaufe rechtskonform ist.

    Wenn nicht dann am besten "malicious compliance" und automatisiert bei jedem Druckvorgang für jedes Blatt Papier eine Meldung erzeugen.8o

    Die Luft für Händler von kleinen China-Gadgets und Billigklamotten wird dünner.

    Ich sag mal so. Wenn ich mir die Diskussion in dem Produktsicherheitsthread anschaue, dann bieten die sowieso keinen Mehrwert für den Verbraucher, da sie die Verantwortung für die Ware nicht übernehmen wollen. Insofern brauch man denen auch nicht nachtrauern. Dann gibts zukünftig wenigstens eine klare Trennline:

    Europäische Händler die die Verantwortung für die Produkte übernehmen / Chinesische Händler die dies nicht tun.

    Da hat wenigstens der Verbraucher eine Wahl und wird nicht verarscht der extra bei einem deutschen Händler kaufen will, aber bei Wohnzimmerhändler Kalle Knallkopf landet der noch nie was von Produkthaftung gehört hat und auch nicht versichert ist aber denkt er kann mit Amazon FBA "passives Einkommen" generieren.

    Und wer als Verbraucher Ware aus China importiert, der bleibt auf seinen Schäden eben ggf. sitzen bzw. haftet selbst. Übrigens ggf. auch strafrechtlich bei grober Fahrlässigkeit.

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    Also der Händler

    Grundsätzlich haftet der Händler bei B2C für den Versand. Man muss sich als Privatkunde nie an den Paketdienst verweisen lassen. Der Paketdienst wäre dann hier raus, der Händler bleibt auf dem Schaden sitzen.

    Im B2B Bereich trägt standardmäßig der Empfänger das Versandrisiko. Da müsste man dann schauen ob der Versand mit einem Paketdienst der Wertgegenstände ausschließt ein Verstoß gegen vertragliche Nebenpflichten ist um darüber an eine Haftung des Händlers zu kommen.

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    Es bringt wenig das weiter zu diskutieren. Für ausreichend große Händler ist es kein Problem Eigenmarken zu machen. Alle anderen müssen sich eben aus gewissen Geschäftsbereichen zurückziehen.

    Wie gesagt - für die Händler ändert sich nichts, sie waren bisher bereits haftbar wussten es wohl nur nicht. Insofern können sie der Verordnung ja dankbar sein und jetzt für 10 Euro ne Versicherung abschließen und so ihre Insolvenz vermeiden.

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    Nein, weil es notwendig ist um als Händler auf einem Marktplatz mit Katalogsystem (Amazon) sinnvoll verkaufen zu können

    Ja gut, das mag ja so sein, aber inwiefern hindert dich das daran die Verantwortung für das Produkt zu übernehmen? Du machst ne Eigenmarke draus und jetzt bist du halt der Verantowrtliche Hersteller. Das Risiko deckst du mit ner Haftpflicht ab die dich ab 10 EUR im Monat kostet. Außerdem kannst du bei Schadensfällen ja weiterhin Regreß beim Produzenten nehmen Wo bitte ist das Problem das ganze rechtskonform umzusetzen?

    Vor allem da du die Pflichten ja per Gesetz hast und auch hattest ob du wolltest oder nicht. Wenn du nicht vorgesorgt hast, dann hattest du bisher einfach nur Glück das kein Schadensfall eingetreten ist der dich sonst ggf. ruiniet hätte. Nur weil du dich nicht nach außen zu deiner Verantwortung bekannt hast, hat diese ja nicht aufgehört zu existieren. Es geht hier ja neu nur darum diese auch transparent nach außen zu kommunizieren.

    Oder wie stellst du dir das denn vor, wer soll den sonst für deine Eigenmarke haften? Wenn Aldi unter seiner Eigenmarke Müller Milch Produkte verkauft oder Produkte von Henkel, dann kann Aldi ja auch nicht sagen wenn was ist "Überraschung" wir sind gar nicht der Hersteller, wir übernehmen keinerlei Verantwortung für das Produkt. Würdest du das als Verbraucher akzeptieren?

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    Ich sehe auch nicht wie sich ein Händler "aus der Verantwortung stiehlt", wenn er online das Produkt mit seinem Namen präsentiert (also schon mal verantwortlich ist), und am Produkt der Importeur/Hersteller steht (der ebenfalls verantwortlich ist). Also schon mal 2 Verantwortliche, mit Sitz in der EU.

    Für den der das so gehandhabt hat ändert sich doch dann überhaupt nichts. Produkt unter eigener Marke vertrieben, Produktverantwortung übernommen - alles wie gehabt. Geht doch auch weiterhin.

    Es ändert sich nur was für Leute die Produkte unter einer eigenen Marke vertrieben haben aber die Produktverantwortung nicht übernehmen wollten und bei Problemen dann plötzlich nicht mehr als Hersteller gelten wollten. Die waren das aber bisher auch schon - nur wussten sie nichts von ihrem Glück oder haben die Unwissenheit der Kunden ausgenutzt um sich aus der Verantwortung zu stehlen.

    Die Problematik sich als Marke online zu präsentieren und die Haftung an jemand anders schieben zu wollen - das war schlichtweg illegal. Auch bisher. Und warum macht man so was überhaupt? Weil man sich 10 EUR im Monat für ne Produkthaftpflicht sparen will?

    Eigentlich ändert sich für dich nicht viel. Im Produkthaftungsgesetz von 1989 steht:

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    Gesetz über die Haftung für fehlerhafte Produkte (Produkthaftungsgesetz - ProdHaftG)
    § 4 Hersteller

    (...)

    (3) Kann der Hersteller des Produkts nicht festgestellt werden, so gilt jeder Lieferant als dessen Hersteller, es sei denn, daß er dem Geschädigten innerhalb eines Monats, nachdem ihm dessen diesbezügliche Aufforderung zugegangen ist, den Hersteller oder diejenige Person benennt, die ihm das Produkt geliefert hat. Dies gilt auch für ein eingeführtes Produkt, wenn sich bei diesem die in Absatz 2 genannte Person nicht feststellen läßt, selbst wenn der Name des Herstellers bekannt ist.

    D.h. wenn du bisher Ware verkaufst bei denen dir der Hersteller nicht bekannt ist, warst du bereits jetzt Hersteller im Sinne des Produkthaftungsesetztes. Wenn du also Ware hast mit unbekanntem Hersteller, dann bist du selbst der Verantwortliche.

    Die Frage ist dann vermutlich eher wie man nach außen hin klarmacht das es hier nur um die Herstellereigenschaft nach Produkthaftungesetz / Produktsicherheitsverordnung geht und man sich nicht irgendwelche weiteren Rechte anmaßt. Nicht das der Fotograf von einem Poster irgendwann ankommt und behauptet du würdest dir seine Urheberrechte am Bild aneignen weil du als "Hersteller" im Angebot stehst". Aber das sollte durch einen Hinweis wie "Hersteller im Sinne der Produktsicherheitsverordnung" oder ähnliches machbar sein, das wird sich wohl zu gegebener Zeit klären.

    Produkthaftplicht ist ja hoffentlich bereits vorhanden, den gehaftet hast du ja bisher auch schon. Falls nicht dann schließ eine ab, das kostet nicht viel.