Drastische Gehaltsreduzierung

There are 40 replies in this Thread which has previously been viewed 1,889 times. The latest Post (February 29, 2024 at 2:25 PM) was by Ach.

  • Nachfolgender Fall aus meinem privaten Umfeld:

    Arbeitgeber wünscht, dass die Arbeitnehmerin eine Gehaltsreduzierung um 30 % akzeptiert.

    Begründung: Durch die jährlichen haustariflichen Gehaltserhöhungen passe ihr Gehalt nicht mehr ins hausinterne Gehaltsgefüge. Deshalb müsse man es nun nach unten anpassen.

    Sollte sie damit nicht einverstanden sein, dann müsse man sich trennen.

    Zur Mitarbeiterin: knapp 62 Jahre, Teilzeitkraft, seit 11 Jahren im Unternehmen. Verantwortliche Position im Marketing.

    Sie muss nun ihre Möglichkeiten abwägen. Am Alter liegt es nicht, eine deutlich jüngere Kollegin aus einer anderen Abteilung hat ein vergleichbares Gespräch gehabt und hat das Angebot des Arbeitgebers akzeptiert. Die Arbeitnehmerin, um die es geht, will nicht akzeptieren.

    Wie würdet ihr damit umgehen?

    Danke für ein paar Meinungen.

    [color=deeppink]Gute Geschäfte wünscht
    Mamabella[/color]

  • Wenn sie nicht akzeptieren will:
    - Gegenangebot machen. Zum Beispiel: 5 Monatsgehälter als sofortige Einmalzahlung, im Gegenzug die Gehaltsreduzierung akzeptieren.

    oder
    - Nicht-Annehmbare Gegenangebote machen.
    - Auf Stellen in anderen Unternehmen bewerben.
    - Sobald eine Zusage da ist: Für eine faire Abfindung einen Aufhebungsvertrag anbieten.


    Wichtig für die Verhandlungsposition ist auch die rechtliche Lage: Welcher Kündigungsschutz greift?

  • 30% Gehaltskürzung bei gleicher Arbeitszeit?
    Je nachdem wie gut die Dame bezahlt wird könnte das schon Richtung Lohndumping gehen.

    Grundsätzlich Mal bei der entsprechenden Arbeitnehmer Vertretung melden, die sind sicher tiefer drin in dem Thema.
    Und Ach hat schon gute Vorschläge gebracht.

  • Ich denke im Fall gibbet Kündigungsschutz und mit 62 J. ist man quasi unkündbar. Andernfalls wäre sie bereits gekündigt.
    Gehaltsreduzierung macht wenig Sinn. Man wird nur billiger wenn dann in einem (halben) Jahr doch gekündigt wird.
    Es sind doch nur noch etwa 4,5 Jahre bis zur Rente. Der AG soll ein attraktives Angebot zur Aufhebung machen. 2 Jahre bekommt sie dann noch ALG1.
    Freizeit hat ja auch was :)

    Edited once, last by Roemer (February 2, 2024 at 9:56 AM).

  • Erstmal ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen.

    Was man auch machen kann erst krank, dann arbeitslos, wenn die Dame zwei Jahre früher in Rente gehen kann, 45 Jahre oder 35 Jahre + Schwerbehinderung wäre das denkbar.

    Aber akzeptieren sollte man eine solche Gehaltskürzung nicht.
    Was man aber tatsächlich machen könnte, auf künftige Tariferhöhungen im Voraus verzichten.

    Auch wäre es gut, die Branche zu kennen.

  • Lebensmittelbranche. Der Firma geht es bestens.

    Über 50 Mitarbeiter, keine Arbeitnehmervertretung.

    Kündigungsfrist laut RA sind 4 Monate zum Monatsende aufgrund der Betriebszugehörigkeit. Keine altersbedingte Verlängerung der Kündigungsfrist wegen des Alters.

    Keine Schwerbehinderung.

    Lohndumping? Sie hat einen Arbeitsvertrag 0ber 35 Stunden pro Monat und wird rein nach Stunden bezahlt. Keine festen Arbeitszeiten, sie arbeitet mehr oder weniger auf Abruf.

    Stundenlohn ist 23,43 brutto. 17 Euro soll nun bezahlt werden. Es handelt sich um die verantwortliche Marketingstelle. Alle Messen, Anzeigenkampagnen, PR, Vertriebsveranstaltungen für die internationale Gruppe mit drei Standorten werden an dieser Stelle abgewickelt.

    [color=deeppink]Gute Geschäfte wünscht
    Mamabella[/color]

    Edited once, last by mamabella (February 2, 2024 at 10:20 AM).

  • Mit welcher Begründung will der Arbeitnehmer den da kündigen?

    "Wir wollen Ihnen nicht mehr so viel zahlen." ist doch kein Kündigungsgrund. Sie soll sich das Angebot schriftlich geben lassen und dann dankend ablehnen. Wenn sie dann irgendeinen Kündigungsgrund vorschieben wollen hat sie dann den wahren Kündigungsgrund schwarz auf weiß.

  • https://www.dr-drees.com/aenderungskuen…weniger-gehalt/

    Quote


    Weniger Gehalt per Änderungskündigung: Oft nicht möglich

    Die Gerichte stellen sehr hohe Anforderungen an Änderungskündigungen, wenn der Arbeitgeber mit ihnen das Gehalt verringern möchte. Für Arbeitnehmer lohnt es sich daher oft, gegen die Maßnahme vorzugehen.

    Grund für die hohe Schwelle ist zunächst, dass die Änderungskündigung im Kern eine „normale“ Kündigung ist, sodass für ihre Wirksamkeit ein Kündigungsgrund bestehen muss. Schon daran scheitern viele Änderungskündigungen. Hinzu kommt, dass gerade eine Gehaltskürzung eine besonders gravierende Folge für Sie als Arbeitnehmer ist. Daher gilt für eine Änderungskündigung, die das Gehalt kürzen soll, noch einmal strengere Anforderungen als für andere Formen der Änderungskündigung (z.B. Wechsel des Arbeitsorts).

  • Über Tariverträge kann man ja denken, wie und was man will.
    Aber welchen Sinn machen diese, wenn dann die AN vom AG quasi auf Gehaltskürzungen erpresst werden? Dann kann man sich die Tarifverhandlungen inkl. Streiks etc auch schenken.

  • Ist ja wie bei meiner Frau. von 54k auf 27k, Sie fand das nicht erwähnenswert (Ist im Prinzip ihr Spielgeld) mir ist das dann bei der Steuer aufgefallen. Firma hatte kein Geld mehr und sie wurde auch vor die Wahl gestellt. Naja nun sitzt se im Finanzamt und macht ihr auch mehr Spaß.

    Aber mit 61 würde ich mich kündigen lassen (4 Monate), vielleicht noch ein wenig streiten, dann gibts ja eh noch 2 Jahre Arbeitslosengeld und dann mal gucken.

  • Wie hier gefühlt in jedem 2. Post gesagt wird "Dann gibts es ja bis zur Rente ALG1", was ist das denn für eine asoziale Einstellung? :gruebel:

    ALG1 / Bürgergeld / Sozialehilfe (nennt es wie ihr wollt) ist für Menschen gedacht, die keine Arbeit finden. Nicht für die Menschen, die keine Lust haben zu arbeiten (leider bekommen die es auch).

    Wenn das für euch aber so in Ordnung ist, beschwert euch bitte aber nicht mehr über zu hohe Steuern & Sozialabgaben (denn damit wird das finanziert).


  • Wie würdet ihr damit umgehen?

    LinkedIn- sowie Xing-Profil pflegen und in sich hineinhorchen, ob räumliche Flexibilität und die Möglichkeit einer Vollzeitbeschäftigung gegeben sind. Es ist im Marketing mit persönlichem Kundenkontakt durchaus von Vorteil den Altersunterschied zum Gesprächspartner beim Kunden nicht zu groß werden zu lassen.

    Was die "Verhandlungen" mit dem jetzigen AG angeht: Gibt es denn etwas zu verhandeln? Ist der AG grundsätzlich zufrieden mit der Arbeitsleistung? Wenn beides ja, evtl. mal ausloten, ob ein Beschäftigungsverhältnis als AT-ler mit einer Variablen im Rahmen einer Zielvereinbarung denkbar ist. Im Lebensmittelbereich ist es leider nicht besonders schwer, die Voraussetzungen für Außertarifliche zu erfüllen. Mittels der skizzierten Vorgehensweise lassen sich praktisch Konzernvorgaben einer höheren Macht umgehen.

  • Danke für die bisherigen Antworten.

    Auf krank machen ist keine Option. Und ALG I nur zur Überbrückung bis zu einer anderen Stelle.

    Mit der Arbeitsleistung war man immer grundsätzlich zufrieden. Allerdings wird die Stelle als Luxusstelle angesehen, die nicht zwingend notwendig ist. Der Firma ginge es so gut, da braucht man kein Marketing. Die Stelle hat aus Sicht des AG keinen wirklichen Vorteil.

    Somit kann man hier leider keinen Hebel ansetzen.

    Die AN muss sich wohl so teuer als möglich verkaufen, damit sie finanziell erstmal in kein Loch fällt.

    [color=deeppink]Gute Geschäfte wünscht
    Mamabella[/color]


  • Mit der Arbeitsleistung war man immer grundsätzlich zufrieden. Allerdings wird die Stelle als Luxusstelle angesehen, die nicht zwingend notwendig ist. Der Firma ginge es so gut, da braucht man kein Marketing. Die Stelle hat aus Sicht des AG keinen wirklichen Vorteil.

    Klingt für mich alles etwas unlogisch.

    Wenn kein Marketing benötigt wird weil es der Firma so gut geht dann muss man doch nicht zwanghaft versuchen bestehende Marketing Mitarbeiter mit weniger Lohn zu behalten.
    Stelle abbauen und fertig, ist doch viel sauberer.

    Für mich klingt so ein Angebot nach einer schmutzigen HR Taktik, quasi "einige Mitarbeiter rausekeln, und die besonders leidensfähigen behalten" oder so.

    Ein Lohnverzicht von 30%, in einem Land in dem in den letzten Jahren sicher einiges um 30% oder mehr teurer wurde, ist jetzt auch nicht nachhaltig. Löhne müssen mit der Inflation steigen.

    Ja, möglichst teuer verkaufen, zur Konkurrenz gehen...

    Und: Es ist wirklich keine Schande wenn man nach Jahren mit hoher Belastung krank wird, etwa Burnout bekommt, und einige Monate im Krankenstand ist um wieder gesund zu werden. In einer Stresssituation wie dieser (Jobverlust oder erzwungener Lohnverzicht) ist es eine gute Idee an die eigene Gesundheit zu denken und das mal durchchecken zu lassen. Denn wenn man dann einen neuen Job beginnen will möchte man ja wieder fit sein.


  • Wie hier gefühlt in jedem 2. Post gesagt wird "Dann gibts es ja bis zur Rente ALG1", was ist das denn für eine asoziale Einstellung? :gruebel:

    ALG1 / Bürgergeld / Sozialehilfe (nennt es wie ihr wollt) ist für Menschen gedacht, die keine Arbeit finden. Nicht für die Menschen, die keine Lust haben zu arbeiten (leider bekommen die es auch).

    Wenn das für euch aber so in Ordnung ist, beschwert euch bitte aber nicht mehr über zu hohe Steuern & Sozialabgaben (denn damit wird das finanziert).

    Als ob das so wäre, dass sich irgendjemand zwei Jahre lang in ALG1 bequem die Eier schaukeln (Pardon my French) könnte. Um das zu vermeiden werden ALG1-Berechtigte in irgendwelche minderbezahlte Nonsens-Jobs abgeschoben und schon haben sie ihren Anspruch verloren. (Anspruch auf ALG1 hat nur, wer soundsoviel Monate am Stück in die AV eingezahlt hat.) So einfach geht das und so wird es auch praktiziert. Das ist der Grund, warum ich als Selbständige meine freiwillige AV gekündigt habe.

    Ich bin in meinem gesamten Leben sechs Wochen arbeitslos gewesen und von diesen sechs Wochen habe ich vier in sog. "Weiterbildungsmaßnahmen" gesteckt. Da saß dann der arbeitslose Akademiker von 8 bis 16:30 Uhr neben Leuten, die noch nicht einmal wussten, wie man einen PC einschaltet und wurde darüber belehrt, dass man Kaffeeflecken auf Bewerbungsunterlagen vermeiden solle.
    Ich fand, dass ich das mir ausgezahlte Arbeitslosengeld (von dem ich ein vielfaches über die Jahre davor in die Versicherung eingezahlt hatte) redlich verdient habe durch meine Anwesenheit in diesen Kursen.
    Falls wer meint, dass das Spaß macht oder leicht verdientes Geld ist, kann das (und alles andere, was da noch mit dranhängt) ja jederzeit gerne selbst testen. Ich fand es wirklich schwer zu ertragen.

    Übrigens interessanter Doppelstandard, was den Mißbrauch von privat vertanktem Diesel in der Landwirtschaft angeht. :kaffeesmily

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