Fußgänger-Frequenz mit Büchern abschöpfen

There are 17 replies in this Thread which has previously been viewed 673 times. The latest Post (September 20, 2021 at 8:05 AM) was by Ach.

  • Wir verkaufen seit einigen Jahren sehr erfolgreich Bücher - mit minimalem Platzeinsatz und völlig sortimentsfremd.
    Was ihr braucht, ist die Möglichkeit, vor Eurem Laden in frequentierter Lage Ware zu platzieren.

    Hier das Rezept für alle, die es ohne viel Risiko ausprobieren wollen:

    1. ~ 100-200 Remittenden-Bücher bei einem Lieferanten mit Remissionsrecht kaufen. Ich weiß nicht, wer das aktuell macht... Bei mehr Risikobereitschaft direkt mit Garant Buchverlag starten.
    Diese Bücher sind als „Mängelexemplare“ gestempelt. Der einzige Mangel, den wir feststellen konnten, sind systematische Kratzer auf der Rückseite bei ausnahmslos allen Büchern. Die Bücher sind offenbar gezielt und maschinell zu „Mängelexemplaren“ gemacht worden, um die Buchpreisbindung aufzugeben.
    2. Bücher einzeln in Folie einpacken. Bei uns: Geschenkfolie von der Rolle. Die werden eingepackt, wie man auch ein Geschenk einpacken würde. Nur mit weniger Liebe.
    Das braucht etwas Zeit. Also in einer ruhigen Stunde (Ihr wisst schon: verregneter Mittwochnachmittag) machen lassen, bevor die ersten Verkäufer anfangen, sich zu langweilen. So sind die Bücher vor Feuchtigkeit geschützt und wirken deutlich hochwertiger, im Gegensatz zu unverpackten Büchern auch „neuer“. Gut verpackt halten sie auch vorübergehenden Nieselregen oder die ersten Minuten eines „echten“ Regens aus.
    3. Die Bücher auf der Straße vor dem Geschäft positionieren. Nach Möglichkeit so, dass sie gut durchgesehen werden können. Wir haben hierfür einen rollbaren Bücherpräsenter der Marke Eigenbau. Es gibt aber auch fertige Bücherpräsenter
    4. Morgens raus, bei Regen unters Dach, abends rein.
    5. Wenn das Sortiment nicht zieht, Remissionsrecht nutzen. Wenn es funktioniert, ggf. auf den Lieferanten Garant Verlag umstellen.
    Die bieten zwar kein Retourenrecht und keine Vorauszeichnung an, waren bei uns aber bei größeren Abnahmemengen günstiger.

    6. Ganz gelegentlich muss, sofern kein Remissionsrecht gegeben ist, der "Bodensatz" entsorgt werden. Es findet sich aber überraschenderweise für fast alles ein Kunde.

    EK: 1,59
    VK: 3,99, in Problemfällen 2,99.
    Dauer-Aktion: 3 Stück für 10 €.
    7% Mehrwehrsteuer
    Marge ~50%

    Die Kunden stellen keine Fragen, keine Ansprüche, es kostet uns, weil draußen hingestellt, keinen Platz, es kommt zusätzliche Frequenz (viele Zufallskäufe von Passanten) und kostet nur ein bißchen Mühe: Verpacken, rein- und rausstellen; Wetter im Blick behalten.

    Wenn Ihr am Anfang mit Retourenrecht einkauft, ist es nicht einmal ein echtes Risiko.

  • Kommt halt bisschen auf die Lage an. Aber bestimmt gute Idee.

    Darf ich fragen, WIE du die Bücher verpackst? Wirst sie ja kaum mit Frischhaltefolie umwickeln und Schrumpffolien hat auch nicht jeder. de Standard-Beutel zu groß im Schlabberlook sind wohl auch eher...na ja....

  • Geschenkfolie von der Rolle. Die werden eingepackt, wie man auch ein Geschenk einpacken würde. Nur mit weniger Liebe.

    Eine Mitarbeiterin von mir hat da Routine und Geschwindigkeit entwickelt. Wenn ein ruhiger Nachmittag ist, schneidet sie sich erst lauter Folienstücke in immer der gleichen Größe zurecht, holt dann einen großen Stapel Bücher aus dem Lager und verpackt dann eins nach dem anderen. Danach kommen die entweder direkt nach draußen oder liegen erstmal auf Vorrat.

  • Quote

    Dürft ihr einfach so was vor die Tür packen? Meist kostet dies doch Nutzungsgebühren an die Stadt?


    Wir haben teilweise eigene Flächen vor der Tür - da dürfen wir kostenlos. Teilweise nutzen wir öffentliche Flächen und zahlen dann eine Gebühr. Die ist aber übers Jahr gesehen sehr moderat.

    Quote

    Und Diebstahl muss man einkalkulieren?


    Klar. Und natürlich ist jede Ware, die vor der Tür steht, noch stärker gefährdet.
    Bei Büchern finde ich das Verhältnis von "Einkaufspreis" zu "Handlichkeit" aber noch ganz gut.
    Wir haben bspw. auch Postkarten draußen: Wer eine Hand voll Bücher klaut, klaut 3 € EK in den Händen, wer eine Handvoll Postkarten klaut 10-20 €.
    Ich glaube auch, dass Bücher zum klauen nicht so attraktiv sind wie andere Ware... Der Eigennutzen ist begrenzt und im Gebrauchtverkauft lässt sich bei diesen Büchern auch nicht mehr viel machen.

    Ich habe gerade einmal im WWS nachgesehen: Im letzten Jahr kamen durchschnittlich auf je 96 verkaufte Bücher 4 verschwundene Bücher (lt. Inventur).
    Von diesem Schwund war sicher ein Teil Diebstahl. Ein anderer Teil war vermutlich Entsorgung. Weiterhin könnte ein Teil noch Fehlbuchung an der Kasse gewesen sein.
    Natürlich kann sich (in beide Richtungen) auch ein Zählfehler bei der Inventur niedergeschlagen haben.
    Das kann ich so nicht mehr auseinanderhalten - ich würde aber von 3-4% echtem Schwund (Entsorgung und Diebstahl) ausgehen.

  • Hab den Begriff "Belletristik" googeln müssen. Scheint ganz gut zuzutreffen.
    Romane, unterhaltende Literatur und "Sachbücher" wie Biographien u.ä.
    Das sind Remittenden von Verlagen wie Knaur, Heyne, rororo, penguin, Fischer... Man bestellt beim garant Verlag einfach XXX Stück unsortierte Mischung zum fixen Stückpreis. Der garant Verlag teilt die Titel dann zufällig zu. Es ist nicht nach Genre, Geschmack o.ä. sortiert, eine Auswahl ist nicht möglich. Und nach unseren Erfahrungen auch nicht nötig. Die Geschmäcker der Kunden sind erschreckend verschieden und alles scheint irgendwo einen Kunden zu haben. Nur weniges muss irgendwann tatsächlich weg, weil es nicht geht. Ich entsinne mich an "Katze sucht Kater" von Frau Katzenberger. Das hatten wir vielfach zusortiert bekommen und musste dann irgendwann gesammelt in Müll.

    Ich fände es auch besser, nicht zu verpacken. Aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen. Wenn die Bücher dauerhaft im Freien stehen, reicht bei uns allerdings bereits die Luftfeuchtigkeit, um sie zu verderben. Selbst ein anderer Regenschutz würde hier keine Abhilfe schaffen.

  • Ok, Danke für die Ausführungen. Für die nichtverkaufbare Ware gibt es sicher Gebrauchtbuchhändler, die das übernehmen würden, wenn es von eine Titel nicht mehrere Exemplare vorhanden sind. Ich wäre auch bereit, solche Reste zu übernehmen, wenn der Preis stimmt. Ist bestimmt besser als wegwerfen.

  • Manch Verlag schätzt das Verramschen nicht mehr sonderlich, sondern makuliert lieber. Sagen wir mal so, der gesamte Themenkomplex gesetzliche Buchpreisbindung, deren Aufhebung im Rahmen einer Verramschung (vgl. https://www.boersenverein-sasathue.de/faq-buchpreisbindung/) und der Vertrieb von Mängelexemplaren sind eine Spezialdisziplin, die engmaschig wie kompromisslos überwacht werden, vgl. http://www.preisbindungstreuh%c3%a4nder.de/. Es wundert mich überhaupt nicht, wenn verschiedene Vertriebsmodelle in diesem Zusammenhang dann für eine gewisse Zeit oder dauerhaft nicht zur Verfügung stehen.

  • Neuer Lieferant:
    http://www.ostsee-buchgrosshandel.de/
    Bisher eine Lieferung bekommen. Der Preis war der niedrigste, den wir jemals für Remittenden gezahlt haben.
    Nach unser Einschätzung sollte die Mischung bei uns auch gut verkäuflich sein. Dabei gehen unsere Einschätzungen aber auseinander. In der Mischung sind Paperblanks enthalten.

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